Florida

 

Durham – St. AugustineFt. LauderdaleMiamiEvergladesKey WestCape CanaveralSt. Augustine – Durham

 

Floridas Sonnenstrände sind doch genau richtig zu Silvester! Das dachten sich zwei Physikstudenten der Duke University und schrieben eine eMail, wer denn noch mitkommen wolle (und Auto fahren kann...). Ich mailte kurz zurück, und schon saß ich nach einem abwechslungsreichen amerikanischen Weihnachten in Durham und High Point im Nissan gen Süden.

 

Highway [top]

Am Anfang der Freuden stand mal wieder eine lange Autofahrt, doch das ist keineswegs langweilig, gibt es doch eine Menge zu sehen auf US-Highways. Da wären zum Beispiel die riesigen Wohnmobile, die mit Leichtigkeit einen hoppelnden Jeep an der Abschleppstange hinter sich herziehen: auf in den Familienurlaub. Oder die Vielfalt an niedlichen Limousinen, welche wir wohl ohne Zögern als Straßenkreuzer titulieren würden. Und die dann auch noch den euphemistischen Namen „Towncar“ tragen. Einige der Autos waren über und über in Schmutz und Salzkristalle eingehüllt, wohl Flüchtige aus den Schneestürmen des Nordens. Und immer wieder macht es Spaß, die Nummernschilder zu lesen, denn in den Staaten kann man sich deren Beschriftung beliebig wünschen: wie wäre es mit „HORSE 1“ , „SUCCESS“ oder auch „STATEBOI“? Die Tuchfühlung, welche man hier (nackenhaarsträubend) zum Vorfahrer zu halten pflegt, macht das ganze Spielchen noch viel einfacher. Nummernschilder sind zudem auch nur hinten Pflicht, vorn trägt man (besser: das Auto) anstelle einer number-plate dann seine Präferenzen zur Schau. In Duke ist es meist Name und Logo der Blue-Devils Basketballer. Die Polizei stört das nicht, gibt es doch keine Blitzer; vielmehr wird man entweder herausgewinkt, von Polizeifahrzeugen umzingelt oder vom Helikopter gejagt (kein Witz!). Wenn man also am Zielort angekommen ist, hat man es geschafft. Deshalb auch die Entschuldigung vieler Raser: es rasen doch alle, dann darf man mithalten – könnte funktionieren, denn wo der Blitzer Gleichberechtigung walten ließe, können das die Polizisten nicht, und dann wird wohl eher keiner bestraft...

 

Ab und zu wird die Fahrt von einer Toll-Station unterbrochen, an der man seinen Obolus zu entrichten hat. Auf dieser Strecke voll manumatisch, d.h., man zielt die abgezählten Münzen in einen großen Plastiktrichter zur Linken, hat man die volle Punktzahl erreicht, dann hebt sich die Schranke.

Unsere Raststätten heißen hier „Food Exit“, „Lodging Exit“ oder „Gas“ und werden immer wieder von gigantischen Straßenschildern angekündigt, die weit über die Bäume hinausragen und das schnelle Essen preisen. Bald hatten wir South Carolina und Georgia hinter uns, Florida lag vor uns. Das Touristencenter an der Grenze bot genug Infomaterial, um sich alle Taschen vollzustopfen; vor allem aber Coupon-Heftchen mit Rabattmarken für diverse Sehenswürdigkeiten. Diese Dinger sind eine wahre Plage in den Staaten, überall gibt es Coupons in Papier- und auch elektronischer Form. Im Supermarkt, an der Tankstelle, bei McDonalds, im Museum, bei amazon.com - wie viele wertvolle Menschenstunden gehen wohl bei der Suche nach den richtigen unwiederbringlich verloren...

 

St. Augustine [map] [top]

Wir landeten nach Einbruch der Dunkelheit in St. Augustine, einer kleinen beleuchteten Märchenstadt. Sie ist 435 Jahre alt und damit die älteste europäische Gründung in den Vereinigten Staaten. Davon zeugt ein altes Stadtviertel und eine vollständig erhaltene spanische Festung, von deren Kanonendeck aus es sich vorzüglich über das Meer schauen läßt. Das wissen natürlich auch all die Reisebüros, und so mussten wir uns die Geschichte mit Schulklassen teilen. Dafür erzählten die historisch gekleideten Mitglieder eines Vereins von der wechselvollen Geschichte Floridas, mal spanisch, mal englisch und letztlich – Halleluja – usamerikanisch. Die moderne Stadt wurde maßgeblich von Henry Flagler geprägt, einem Partner von Rockefeller. Er hat Ende des 19ten Jahrhunderts die Eisenbahn in Florida gebaut und es damit touristisch erschlossen. Und in St. Augustine eröffnete er drei riesige Luxushotels, die noch heute märchenhaft anmuten. Eines davon hatte den seinerzeit größten Swimmingpool der Welt und beherbergte diverse Schwimmeisterschaften. Die Depression (Weltwirtschaftskrise) hat zweien davon aber die Puste genommen und so finden sich da jetzt eine kleine Universität bzw. die Kunst- und Kitschsammlung eines anderen Industriellen, der sich in der Krise billig ein Vermögen zusammenkaufte.

 

Wir blieben nur eine Nacht in dem gemütlichen „Pirate House“ Hostel und fuhren dann weiter nach Fort Lauderdale in Südflorida. Endlos geradlinig zieht sich der Highway 95 entlang der Ostküste Floridas und langsam aber bestimmt wandelt sich das Bild. Die Vegetation wird immer tropischer, Tillandsyen besiedeln in dichten Büscheln die Äste und zunehmend bestimmen Palmen das Bild. Immer wieder aber sah ich auch tot scheinende Nadelwälder zu beiden Seiten, und mir ist bis heute nicht klar, ob das ewiger- oder nur Winterschlaf war. Vielleicht war es ja aber auch das Werk eines Immobilienspekulanten, der dort den 175ten Luxusgolfplatz oder Food-Exit eröffnen wollte. [joke für insider]. Bei unserer Mittagspause hatten wir dann das Vergnügen eine komplette Familie in Golftracht zu bestaunen, aber kein Grund zum Neid, denn dieser Sport ist hier weniger exklusiv als in Deutschland. Würden sie sich sonst so begierig auf das „2 Big Mac for $2“ – Angebot stürzen?-)

 

Fort Lauderdale [map] [top]

Stück für Stück kletterten wir die Hierarchie der Straßen hinab und landeten schließlich im Zentrum von Fort Lauderdale. Auf dem Weg zum Hostel passierten wir riesige Autohäuser und noch nie habe ich so viele Daimlers, Porsches und Ferraris auf einen Haufen gesehen. Als wir dann vor unserer Herberge standen, stießen wir einen kleinen Jauchzer aus: 100 Meter vom Strand, free food und ein Apartment für uns – bei 17 Dollar pro Person. Leider wurden gerade vor unserem Fenster zwei riesige Hochhäuser mit Apartments gebaut, quasi auf dem Strand und uns des traumhaften Seeblicks beraubend. Wir kamen gerade noch rechtzeitig, um den Sonnenuntergang am unendlichen Strand mitzuerleben, und da hatte ich es wieder, mein Meer. In der Ferne sahen wir die riesigen schwimmenden Hotels der Kreuzfahrtreedereien, die von Ft. Lauderdale aus in die Karibik starten, und ihre fliegenden schnellen Brüder. Auf dem fast schon verlassenen Strand baute noch ein Junge eine Sandburg, und er hatte ein Baseball-Cap auf. Hellblau... und als ich genauer hinsah, entdeckte ich den weißen Fuß der Tarheels, unserer Erzrivalen aus Chapel Hill.

 

Das abendliche Herz der Stadt aber ist der Las Olas Boulevard, wo sich ein Restaurant an das andere fügt, unterbrochen von Kunstgalerien oder auch mal einem Juwelier. Auch hier sind alle Palmen dicht mit Lichterketten umwickelt, manchmal erstrecken sich diese sogar auf die einzelnen Wedel... Die Straße staut sich von Luxuskarossen mit der großen Florida-Orange auf ihrem Nummernschild und wir waren froh, für unseren roten Nissan einen kostenlosen Parkplatz in einer Seitenstraße gefunden zu haben. Normalerweise kommt man nicht ohne meter (Parkuhr) oder einer Flatfee von 5 Dollar weg. Wir passierten das kleine einsame Businesszentrum der Stadt, in der sich zu unserem erstaunen sogar einige Investmentbanken niedergelassen haben (wegen des Strandes?) und kamen dann zum River Front Center, einem Unterhaltungskomplex mit Kinos, Cafés und der Anlegestelle zur Yacht-Stadtrundfahrt. Ein Mexikaner sprühte grelle Bilder mit Sprayfarben und die Eltern der staunenden Kinder sorgten sich um deren Gesundheit. In Florida gibt es unzählige Einrichtungen mit dem Namen „Hall of Fame“, die sich Größen aus verschiedenen Bereichen verschrieben haben. Ft. Lauderdale hat die Swimming Hall of Fame und riesige Plakate glorifizieren die Helden dieses Sports. Der Pool der Einrichtung machte gerade zu und die letzten Bader wurden von den Schaumstoffschutzmatten auf ein immer kleineres Wasserloch zusammengeschoben bis sie nicht umhinkamen, ihre zitternden Körper aus dem warmen Naß zu hieven. Der vorherrschende Straßenbaum ist die Kokospalme und meine russischen Kameraden versuchten im Schutze der Dunkelheit nicht nur einmal, eine Nuß zu erspringen... jedoch ohne Erfolg.

 

Miami und Miami Beach [map] [top]

Wir wußten noch nicht so recht, wo wir Silvester verbringen würden, und so starteten wir am 31ten nach Miami um zu sehen, ob sich da bessere Möglichkeiten böten als in Ft. Lauderdale. Genau eine Stunde brauchten wir bis uns eine große Brücke vom Highway nach Miami Beach führte, zur vorgelagerten Luxusinsel. South Beach, der berühmte südliche Teil, ist voller interessanter art deco Architektur. Fast jedes Haus hat eine andere (Pastell-)Farbe und immer wieder neue Formen geben Anlaß zu erforschender Betrachtung. Irgendwie musste ich so ein bisschen an Dessau und sein Bauhaus denken... Vor einem Hotel stand ein uraltes blitzendes Auto und man fühlte sich wie in den goldenen Zwanzigern. Alle Häuser hier sind Hotels, Restaurants oder Geschäfte, bis auf ein wunderschönes romantisches altes Anwesen voller Grün – für mehrere Millionen von Versace gekauft, der aber leider bekanntermaßen nicht mehr viel Freude daran hatte. Und vor wenigen Monaten wurde die Villa an einen Telekom-Boss aus Raleigh verkauft, richtig, Raleigh gleich neben Durham.

Die Strandpromenade war voller Leute, leider nicht so viele Models, Photographen und Skater, wie die Führer versprachen; vielleicht war es ja auch etwas kühl für nackte Beine. Dennoch gefiel es uns hier, die riesige Bühne, die ein nächtliches Konzert von Boy George ankündigte, sowie die vielen Vorbereitungen der Restaurants und Clubs für die letzte Nacht des Jahres ließen uns den Beschluß fassen, hier ins neue Jahr zu feiern.

 

Nach einem kurzen Intermezzo am Strand, bei dem uns immer wieder Werbung hinter sich herziehenden Flugzeuge umreisten (und natürlich wurden wir von den Liegestühlen vertrieben) stärkten wir uns bei Miami Subs – einer der duzenden Fastfoodketten - bevor wir nach Downtown Miami fuhren. Dort kamen wir gerade recht zur Silvesterparade, die sich über eine Stunde hinzog und Jung wie Alt gefangen hielt. Den Beginn machte die Polizei von Miami, die Ihre Reiterstaffel, Motorräder und die Fahrradtruppe ins Rennen schickte, nicht ohne immer wieder die Hände der Bürger zu schütteln. Es folgten die lokalen Größen in Cabrios (gesponsert vom lokalen Chrysler-Autohaus) und ließen sich beklatschen – jeder hat hier irgend einen herausragenden Titel „Chief Executive Officer of Festival Organization Committee...“. Dann aber wurde es bunter mit funkensprühenden, sich im Kreise drehenden dreirädrigen Autos, den altbekannten aufblasbaren Riesenfiguren, künstlicher Hawaii-Insel (gesponsert von American Airlines) und schließlich unzähligen High School Bands. Über Weihnachten hatte ich einige High School Jahrbücher meines Gastgebers angeschaut und war erstaunt von der Vielfalt der Aktivitäten und ihrer Professionalität. Sport und Bands gehören zu den beliebtesten, aber es gibt auch die „Black Gentlemen“, die sich für das Wohl der lokalen Community einsetzen, den German Club („Na Klar!“) oder die stolzen Uniformträger des Militärnachwuchses (kenn’ ich irgendwie).

 

Für eine Stadtbesichtigung war es nach Ende der Parade zu dunkel, und so machten wir uns auf den Weg zu South Beach, aus Angst vor Parkplatzmangel tauchte der Vorschlag eines Taxis auf und ich nur meiner Intervention war es zu verdanken, daß wir dann für zwei Dollar im Bus saßen. Und 10 Minuten später standen wir wieder inmitten der Menschenmassen auf der Strandpromenade. Vor den Restaurants türmten sich die Hummer und Steaks, um die Vorbeiziehenden zu einem der Silvestermenüs zu verführen, doch kaum einer wollte sich für 70 Dollar in die Kälte setzen und mit einem Papierhut auf dem Kopf zum Spaß der Leute machen. Auf dem Strand entdeckte ich ein romantisches Leuchten, und beim nahen Hinschauen (ich mußte erst meine Begleitung überzeugen, daß dies bestimmt interessant sei) war es eine wunderbar filigrane Sandburg, die unzählige Ahs und Os hervorrief. Es wurde immer später, das abgesperrte Strandstück vor der Bühne füllte sich nicht und wir gingen dem großen Moment entgegen. Trotz unerwarteter Kälte (es war angeblich die kälteste Silvesternacht seit Menschengedenken) versammelten sich viele Menschen am Strand, und wie erwartet, begann ein großartiges Feuerwerk, über dem Meer. Da wir den Sekt zu Hause (also Ft. Lauderdale) vergessen hatten, musste meine große Limoflasche als Ersatz herhalten und nach einem „fsewo karoschewo“ genossen wir die bunten Lichter.

 

Der nächste Tag war dem Ausruhen gewidmet und warm genug für ein ausgiebiges, doch reueloses Sonnenbad. Und endlich kam ich auch mit meinem Buch voran – die Duke-Zeit wird als die bisher leseintensivste meines Bildungslebens in die Geschichte eingehen.

 

Everglades [map] [große Detailkarte] [top]

Noch zu Hause in Durham hatte ich mir Informationen zu Florida aus dem Netzt gezogen und dabei war doch mein Blick auch auf die Südspitze Floridas gefallen – die Landkarte zeigte einen großen grünen Fleck: die Everglades. Und sofort erinnerte ich mich an die Texte in unserem Englischbuch in der Schule und ihre so fernen Bilder... nun nach so vielen Jahren (ei, man wird alt) also hatte ich die Chance, sie zu sehen. Und so verbrachten wir gleich zwei Tage in diesem wunderbaren Nationalpark. Die Anfahrt ist ziemlich stressig, muß man doch durch Miami fahren und einer ewig langen Ausfallstraße gen Süden folgen. Dann aber biegt man in Homestead/Florida City ab auf eine kleinere Straße und ich fragte mich, wie wohl das endlos scheinende Grasland sich in tropischem Überfluß verwandeln wird. Langsam kamen einige Büsche und Bäume ins Bild, und immer mal ein Traktor. Schließlich landeten wir nach vielen Meilen im Besucherzentrum, wo wir nicht viel mehr Zeit verbrachten, als nötig war, um eine Karte einzustecken und den Rücken des Plastalligators zu streicheln. Leben wollten wir sehen!

 

Nach dem Eingang (10$ per Auto) ging es endlich los. Die kleine Straße nach Flamingo führt mitten durch den Park und an ca. 10 Stellen sind Parkplätze oder Besucherzentren gebaut, von denen aus man ein bestimmtes Gebiet der Everglades per Fuß auf sogenannten Trails erkunden kann. Als wir den ersten betraten, sahen wir eine Traube von Besuchern vor einem kleinen See stehen – und das Objekt ihres Staunens: einen lebenden Alligator. Das war was! Dachte man, bevor man 10 Meter weiter gleich zwei in der Sonne baden sehen konnte. Und etwas weiter fast auf Tuchfühlung mit sich in der Sonne trocknenden Vögeln gehen konnte. Beeindruckt überflog mein Blick das Meer von Saw Grass (Sägegras), dessen starke Halme wirklich wie mit Sägezähnen besetzt sind. Jetzt zur Winterzeit sammeln sich alle Tiere an den weniger werdenden Seen und Wasserlöchern, welche entweder natürlich sind, oder aber (genauso natürlich) von den Alligatoren mit ihren starken Schwänzen *gr* ausgehoben werden („Gator Holes“) – als Gegenleistung gibt es dann den immer gedeckten Tisch. Die Everglades sind ein riesiges Feuchtgebiet, welches vom Wasser des Lake Okeechobee lebt. Ausnahmsweise fließt das nämlich nicht brav in einem Fluß ins Meer, sondern überflutet den harten Limestone verteilt auf vielen Meilen Breite. Wenn nicht vorher der Mensch Straßen quer durch die Landschaft baut, oder die Stars in Miami Beach ihre Zähne damit putzen. So kann mal also auch hier die Wunder der Natur nicht bestaunen, ohne ihre Bedrohung mit wahrnehmen zu müssen.

 

Doch es gibt nicht nur Gras in den Everglades; wann immer der Boden sich auch nur wenige Meter erhebt, entfaltet sich eine vollkommen neue Vegetation auf diesen kleinen Inseln: Hammocks. Diese sind oft winzige tropische Wäldchen mit Mahagonibäumen, Palmen und Epiphyten. Und über den Köpfen immer wieder große schwebende Raubvögel mit ihren gezackten Flügeln. Größere Flächen sind von Pinien überzogen und man fühlt sich fast wie im heimatlichen Kiefernwald, nur daß da das Unterholz nicht aus Palmen besteht. Fast wie tot ragt das weiße Holz der Cypressen aus dem Wasser und wenn sich das Wasser zu größeren Seen sammelt, bietet es die idealen Bedingungen für schwarze und rote Mangrovenwälder. Beeindruckt landeten wir an der Küste von Flamingo und nach einer kleinen Snackpause starteten wir eine Kanutour auf einem der vielen kleinen Kanäle. Wir entdeckten viele interessante Pflanzen und Vögel, ab und zu faltete ein Ibis seine weißen Flügel für die Sonne auseinander. Es war fast so schön wie im Spreewald .-). Auf dem Rückweg (es gibt nur die eine Straße nach Flamingo) stoppten wie an einem anderen kleinen Wanderpfad und fanden uns – endlich – in Begleitung der Moskitos. Wären doch sonst keine Everglades! Aber im Winter halten sie wohl eigentlich Winterschlaf. Die Sonne machte sich auch bald ab in die Falle, und nach einem kurzen Sunset fuhren wir zurück nach Hause, vorbei an den leuchtenden Hochhäusern von Miami.

 

Der zweite Tag in den Everglades war der Action gewidmet. Wir machten uns auf den Weg zu einer Airboat-Fahrt. Bevor jedoch dieses kommerzielle Spektakel begann, sahen wir vom Highway (Alligator-Alley) aus eine Rauchsäule aufsteigen: ein „Wildfire“. Diese regelmäßigen Buschbrände seien überlebenswichtig für das Ökosystem, weil sie überflüssige Materie vernichten und dem Wasser freien Weg verschaffen, versichert mir das Infofaltblatt... Dann kamen wir im Reservat der Seminole Indianer an (mit Ihnen hat Florida mal einen langen blutigen Krieg geführt), wo mich mal wieder der Grad an Zivilisation enttäuscht hat. Industrielle Wassertanks, eine Tankstelle, Basketballplätze, eine „Show Arena“, ein modernes Schulhaus, eine Baptist Church, Kinder auf benzingetriebenen Buggies und japanische Autos in den Vorgärten – wozu braucht man da ein Reservat? Gleich dahinter endlich „Billie Swamp Safari“. Wir kauften die Tickets für das Airboat (natürlich hatten wir die passenden Coupons für 2$-off), bekamen erstaunt unsere Ohrstöpsel und erkundeten das Besucherzentrum, bevor wir uns am Dock einzufinden hatten. In einem kleinen Schlangenhaus waren von der kleinen Klapperschlange bis zur Python alle Einwohner in Glasaquarien gequetscht und mit Grausen vernahm ich „Ist die aber eklig!“ und „Oh, von der möchte ich einen Gürtel!“... Hurra Deutschland.

 

Voller Interesse begutachtete ich unser Airboat vor der Abfahrt und beglückwünschte mich zu meinem Pullover im Rucksack als ich die Wattejacken der Kapitäne sah. Und bemitleidete das arme Touristenkind hinter mir, als der hölzerne Propeller sein dröhnendes Werk begann, es war wirklich ohrenbetäubend. Wir beschleunigten auf full speed, um kurz darauf eine scharfe Kurve mitten in ein Grasfeld zu drehen und alle Vögel aufzuscheuchen. Heimlich warf der Fahrer etwas Futter hinter uns, damit das nächste Boot den gleichen Spaß haben würde. Mißfallen regte sich in mir. Dann ging es gemäßigt ab in Richtung eines kleinen Wäldchens, durch das wir uns dann gesittet bewegten, um all die Tiere zu beobachten. Und mit einem Baum zu kollidieren, woraufhin ich (als ganz vorn Sitzender :-) uns dann wieder auf Kurs zu bringen hatte. Am Ende der 20 minütigen Fahrt wurde nochmal die Power zur Schau gestellt und akribisch auch der letzte Grashalme vor uns im Wasser niedergemäht. Zum Glück scheint sich das alles wenigstens auf einem begrenzten Gebiet und eingefahrenen Parcours abzuspielen, so hält sich die Zerstörung wenigstens in Grenzen. Aber nun sah ich auch den Grund, warum solche Fahrten im Nationalpark selbst nicht erlaubt sind. Zum Glück befanden wir es nun schon zu spät, um noch nach der „Alligator Wrestling - Show“ Ausschau zu halten, welche das zweite große Ziel meiner russischen Kameraden gewesen war.

 

Am Abend dieses Tages nahmen wir uns endlich Zeit, den sagenhaften Yachthafen von Fort Lauderdale anzuschauen. Die ganze Stadt ist ein einziger Hafen. Unzählige Kanäle durchziehen sie und sind gesäumt von leuchtend weißen Schiffen. In mickriges trug die Aufschrift „Special Edition, 170.000 $“. Als wir durch eines der nobleren Gebiete fuhren, konnte ich meine Mitfahrer nicht davon überzeugen, vor einer der unglaublich luxuriösen Villen anzuhalten und für eine Runde Spaziergang auszusteigen. „I don’t think we are supposed to do so....“.

 

Key West [map] [top]

Geboren aus der Hoffnung auf etwas mehr Bade-Wärme, faßten wir den Entschluß, nach Key West zu fahren. Ein langer Weg über die Inseln eines Korallenriffs (Keys) bis hin zum letzten befahrbaren Zipfel mitten im Golf von Mexico, nur einen Katzensprung entfernt von Cuba. Wir brachen zeitig auf und nach vier Stunden waren wir auf den Keys. Auf den Inseln, soweit sie bewohnt sind, dreht sich alles um Yachtclubs und sea parks. Ein Hotel hieß „Loreley“, wie sie auf diesen Namen hier wohl kommen... Noch mehr als sonst üblich strahlten uns amerikanische Flaggen entgegen, als wolle man hier seine Identität im Angesichts des (ignorierten und boykottierten) kubanischen Feindes nochmal besonders betonen. Wunderbare Blicke boten sich von den Brücken, welche die Keys miteinander verbinden, man schaut in das weite türkise Meer und mitten drin liegen kleine Mangroveninseln (und wieder erinnerte ich mich – diesmal an Belize und die Tage auf Caye Caulker). Die längste Brücken heißt 7 Meilen Brücke und wurde von Henry Flagler für seine Eisenbahn gebaut – ob die sich jemals rentiert hat? Unterdessen hat sie eine moderne Schwester bekommen und wird nicht mehr genutzt – urplötzlich bricht sie über dem Meer ab. Einige Sekunden flogen wir mit einem Pelikan direkt neben uns um die Wette und überfuhren dabei zum Glück keinen der wahnsinnigen Backpacker, die sich mit ihren riesigen Rucksäcken zwischen Highwayspuren und Abgrund entlangquetschten. Fußwege gibt es in Amerika fast nicht.

 

Schließlich landeten wir auf Key West, wo wir uns erstmal an den Strand warfen. Eine leichte Gänsehaut ließ uns aber nach kurzer Zeit doch zur Besichtigung der relativ großen Stadt aufbrechen. Alles hat hier einen sehr südlichen Stil, es heißt, man sei de facto schon in der Karibik. Die Häuser sind aus Holz und mit allerlei schattenspendendem Zierrat versehen, ab und zu erinnerte mich die Weihnachtsmütze einer Seejungfrau daran, daß wir ja noch in der post-christmas-phase waren. Vor einem Fahrradverleih entdeckte ich wieder eine Tarheel-Mütze; das Hellblau gefällt mir ja zugegebenermaßen besser als das dunkle Dukeblau... aber gar kein Zeichen von Duke auf der ganzen Fahrt und gleich mehrere für UNC?-( Mitten in der Stadt erhebt sich der kleine Leuchtturm von Key West, den wir brav erkletterten, um einen Überblick über die Stadt zu bekommen. Überall Häuser, grüne Palmen und ab und zu auch eine Flagge. Die Hauptstraße besteht fast nur aus Andenken- und Klamottenläden, wie überhaupt Key West nur Tourismus, Urlaub und Fun gewidmet zu sein scheint – genau der richtige Platz für die junge, wohlhabende und aktive Bevölkerung.

 

Am berühmtesten aber ist Key West für seine Sonnenuntergänge, und so machten wir uns auf den Weg zur Spitze, um gemeinsam mit unzähligen anderen dieses Schauspiel zu erleben. Allabendlich artet diese Zeremonie zu einem kleinen Volksfest mit Gauklern, Musikern und Ständen aus und so hatten auch wie eine Menge zu sehen. Es waren viele Wolken am Himmel und so war alles ganz besonders spannend und lebendig. Auf seinem Weg ins Meer schickte der goldene Ball seine Strahlen durch das wattige Weiß und die Segelschiffe am Horizont schienen auf dem Weg in unendliche neue Weiten. Dann begann die Stadt ihr Abendleben und für uns wurde es Zeit, die Reise zurück nach Ft. Lauderdale anzutreten.

 

Cape Canaveral [map] [website] [top]

Auf dem Weg von Ft. Lauderdale nach St. Augustine liegt Cape Canaveral, die berühmte Raumfahrtstation. Inmitten eines Naturschutzgebietes befinden sich Raketenbasen, Entwicklungscenter und auch ein großes Besucherzentrum. Ein IMAX-Film über die Spaceshuttles und das Leben außerhalb der Erde bringt die richtige Einstimmung, bevor man sich per Fuß und Bus über das Gelände bewegt. Mit genug Zeit kann man hier die Geschichte der Raumfahrt miterleben (ja, man erfährt sogar, daß die Russen die ersten im All waren) und hautnah miterleben. Einen Tag vorher war gerade das Raumshuttle Atlantis in einer Abschußrampe positioniert worden, und die Spitze des großen orangen Tankkörpers war weithin sichtbar. Spaceshuttles (Atlantis, Discovery, Endeavour und Columbia) starten nur 8 mal im Jahr, wir hatten also richtig Glück. Der richtige Start ist allerdings erst ca. 3 Wochen später. Wir sahen das riesige Gebäude, in dem das Spaceshuttle an die zwei Trägerraketen und den großen Tank montiert wird und schließlich eine Ausstellung zur ersten Mondlandung. Die unglaublich große Mondrakete erstreckt sich über die gesamte Ausstellungshalle und man fragt sich, warum Menschen sich trauen, eine solch gigantische Bombe zu bauen und damit in den Weltraum vorstoßen zu wollen. Vielleicht sollte man ja auch mal seine mickrigen Ziele überdenken...

Wir verließen das Center erst, als die Dunkelheit uns dazu zwang, nach einer Führung durch ein Modell für die neue multinationale Raumstation und Ihre Montagehalle sowie einen letzten Blick auf den Raketenpark.

 

St. Augustine [map] [top]

Wir übernachteten wieder in St. Augustine und nahmen uns noch einen halben Tag Zeit, bevor wir das letzte Stück unserer Fahrt zurück nach Durham antraten. Wir besuchten das Lightner Museum, eine unglaublich vielfältige Sammlung aller möglichen und unmöglichen Dinge in einem der ehemaligen Hotels der Stadt. Hier findet man alles von ausgestopften Löwen über Schrumpfköpfe, eine Knopfsammlung und ein russisches Dampfbad bis hin zu Kristall und Meißner Porzellan. Ein riesiges Haus voll. Und als Krönung die Sammlung von alten Musikautomaten, die jeden Tag vorgeführt werden – unter den begeisterten Erzählungen einer alten Dame mit französischem Akzent bewunderten wir die (mehr oder weniger schönen) Lieder und Stücke von Walze, Platte und Lochkarte. Und dann ist da natürlich noch das Haus selbst, ein leuchtendes Beispiel für die guten Seiten des Kapitalismus – ähnlich wie die Könige haben ja nur richtig reiche Leute derartig großartige sichtbare Dinge hinterlassen.

 

Kurz vor der Grenze nach North Carolina machten wir noch einen kurzen Stopp in einem riesigen aber einsamen Shoppingpark, für den mit witzigen Sprüchen schon 80 Meilen vorher Werbung gemacht worden war. Es gab nicht viel Interessantes, bis auf einen riesigen Feuerwerk-Superstore mit bis zu eimergroßen Feuerwerksbasteleien... leider hatte ich meine Streichhölzer vergessen :-)

Nach neun Tagen Florida lag ich wieder in meinem eigenen Bett und dachte an all die Kontraste der vergangenen Reise: Alligatoren, Luxusjachten, Sonnenuntergänge, Betonhighways, Spaceshuttles... was für ein Glück ich doch habe.

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