Barcelona (December 2005)

Während meines diesjährigen Weihnachtsurlaubs machte ich einen Abstecher nach Genf, um dort für ein Wochenende meinen alten Freund Samy zu besuchen. Von Genf aus dann brachte mich der Billigflieger Easyjet nach Barcelona. Ich hatte noch nie meinen Fuss auf spanischen Boden gesetzt, doch es gefiel mir hier sofort.

Der Flughafenbus lädt den Ankommenden gleich auf dem Hauptplatz Barcelonas, der Placa de Catalunya, ab. Von dort war es nicht weit zu meinem Hostel, welches sich entlang der grössten Fussgängerzone befand. Und so schlenderte ich mit meinem Rucksack die "Las Ramblas" hinunter, aus allen Richtungen neue Eindrücke aufnehmend. Da waren zum einen die vielen Touristen überall. Auffällig die vielen Gruppen Jugendlicher, die sich nur schwerlich den scheuchenden Befehlen ihrer Erzieher fügten und mit ihrem babylonischen Sprachgewirr der Stadt ein sehr internationales Flair gaben.

Ich entdeckte auch sogleich einen beliebten spanischen Zeitvertreib (oder Geld-vertreib)? Die Lotterie. Überall stehen die Häuschen der Losverkäufer, manchmal sitzen sie auch einfach mit einem Bauchladen auf einem Fussweg oder laufen Lose schwenkend durch eine belebte Fussgängerzone.

Wenig Glück hatten die vielen Vögelchen, die in den Käfigen der fliegenden Händler entlang der Las Ramblas ihr Dasein fristen, bis sie vielleicht mal von einem ebenso kunterbunten Käufer für das Wohnzimmer (oder den Kochtopf?) erstanden werden...

Auch auf den Las Ramblas: Pantomimen, die sich in den verschiedensten Aufmachungen um Zuschauer streiten. Von silbernen Phantasiefiguren bis hin zu Che Guevara im Tarnanzug. Und wenn man früh auf die Strasse geht, kann man sie auch beim Verkleiden beobachten.

Trotz all der interessanten Sachen rechts und links des Weges sollte man auch ab und zu mal auf den Weg selbst gucken - am besten ständig, denn manchmal wird es ein Tanz um den heissen Brei...

Von Las Ramblas geht es durch eine kleine Seitengasse in den beeindruckenden Mercat de la Boqueria, wo ich viel Zeit damit zugebracht habe, einen Stand nach dem anderen zu bewundern. In nahezu unendlicher Vielfalt lassen einem dort Südfrüchte, Gemüse, knusprige Baguettes, allerlei bekanntes und unbekanntes Seegetier (zumeist noch zappelnd) und natürlich riesige Spanische Schinken das Wasser im Munde zusammenlaufen.

Die Schinkenstände waren besonders beeindruckend. Nicht nur weil ein Kilo bis zu 150 Euro kosten kann, sondern auch, weil die Verkäufer kunstvoll hauchdünne Scheiben mit grossen Messern von der Keule abschneiden. Letztlich habe auch ich mich hinreissen lassen und mir diese Gaumenfreude geleistet.

Barcelona kann sich mit viel alter Bausubstanz brüsten. Und wenn das vielleicht auch für die Bewohner weniger modernen Komfort bedeutet, so ist es doch eine Freude für das Auge. Hier eine Bäckerei mit einer wunderbaren Mosaikfassade. Ausserdem sieht man, dass in Barcelona viel Moped gefahren wird - oder Mopeds in langen Reihen entlang der Strassen und Wege parkend auf ihre Besitzer warten.

Ein anderer Laden - mit Schneidwaren aus bestem Hause...

Neben Schinken sind Oliven ein Hauptnahrungsmittel in Spanien. Auf einer kleinen Tour durch ein weniger touristisches Viertel kam ich an diesem Laden vorbei, in dem sich Einheimische mit "Waren des täglichen Bedarfs" eindeckten. Die grossen Plasteimer vorn im Bild sind voll mit verschiedenen Olivensorten und mit einem Schöpflöffel kann man sich daraus nach Herzenslust bedienen.

Genug "geshoppt" und zurück zu den offiziellen Sehenswürdigkeiten. Da wären zum einen die engen Gassen des Barri Gotic, des historischen und touristischen Zentrums der Stadt.

Aber auch in vielen anderen Vierteln gibt es enge Gassen. Die Balkons dienen meist zum Trocknen der Wäsche, als kleiner Garten, oder zum Abstellen des Fahrrades. Aber nicht jeder kann von zu Hause aus die Sonne sehen; viele Häuser in Barcelona haben Räume im Inneren des Gebäudes, die nur an einen Luftschacht angeschlossen oder sogar total fensterlos sind. Ich wohnte in so einem Zimmer, und so war es kein Wunder, dass ich so lange unterwegs war, wie mich meine Füsse tragen wollten.

Manche Tage wurde es ziemlich spät, und ich fühlte mich fast allein auf enger Flur...

Vom Dach der Kathedrale bietet sich ein interessanter Blick über die Dächer und Türme der Altstadt.

Blick in ein Fenster des Stadtmuseums.

Einer der touristischen Höhepunkte Barcelonas ist zweifellos die seit über 100 Jahren im Bau befindliche Kathedrale "Sagrada Familia". Millionen Menschen haben diesen Bau wohl schon bewundert, und dabei ist er gerade mal halb fertig.

Man kann auf einige der vielen Türme steigen und von dort nicht nur die Stadt überschauen, sondern auch dabei zusehen, wie dieses Wunderwerk weiterwächst. Und man sieht, dass dabei heute Techniken eingesetzt werden, von denen Gaudi noch nichts wissen konnte, als er 1926 von einer Strassenbahn überrollt wurde.

Trotz neuer Baumethoden bleibt man dem Geiste Gaudis treu - alles ist der Natur nachempfunden, und es gibt quasi keine geraden Linien. Hier ein Blick in das gotisch anmutende Kirchenschiff, wo sich die Pfeiler wie Bäume gen Himmel strecken, und das Licht durch die Löcher im Blätterdach scheint.

Aussen trägt die Kirche viele Farbtupfer, unter anderem in Form überquellender Fruchtkörbe. Und wie viele andere von Gaudis Werken bestehen diese aus tausenden von Mosaiksteinchen.

Eine Front der Kirche wurde noch unter Gaudi fertiggestellt und stellt die Geburt Jesu dar.

Eine andere Front wurde von modernen Künstlern geschaffen und beschreibt das Leiden Jesu und sein (irdisches) Ende.

Ein letzter Blick auf ein Kunstwerk, welches bei einem nächsten Besuch schon wieder etwas anders aussehen wird.

Weniger gigantisch aber doch ansehnlich der Triumpfbogen von Barcelona. Es gab eigentlich nichts zu feiern, aber in den 1880ern waren die Einwohner der Stadt so gut drauf, dass eben so ein Bogen her musste.

Während der Arc de Triomf nur wenige Touristen anlockt, scheinen sich die Einheimschen in seinem Schatten wohlzufühlen. Hier bei einer Runde Boule (oder wie auch immer dieses Spiel in Spanien genannt wird).

Ab und zu entdeckt man inmitten der alten Gebaüde auch mal einen Tupfer aus der heutigen Zeit - so wie hier das Museum der zeitgenössischen Kunst.

Nachdem ich mich in einem Lädchen wie diesem mit Proviant eingedeckt hatte, machte ich mich auf in den Park Güell, eine Wohnanlage, welche Gaudi im Auftrag des Herren Güell entwarf. Damals ein kommerzieller Flop, ist der schöne Park auf einem Hügel über der Stadt heute ein touristischer Hotspot.

Die Gebäude im Park Güell sehen aus wie vom Zuckerbäcker. Hier die grosse Eingangstreppe mit einer Säulenhalle, die als öffentlicher Marktplatz dienen sollte.

Der Park hat einen grossen Platz, von dem aus sich ein wunderbarer Blick über die Stadt bietet.

Man muss sich oft "anstellen", um ein Bild an beliebten Stellen zu machen.

So wie hier mit dem "Stinkmorchelschornstein" (meine Namenserfindung :).

Der Hauptplatz ist von einer riesigen Bank umgeben, die ganz und gar aus Mosaiksteinchen besteht und sich wie eine Schlange windet.

Noch ein bisschen Zuckerguss auf den Zaun, bitte!

Hier ist der Rahmen wichtiger als das Fenster.

Hier das Haus des Schöpfers selbst; Gaudi wohnte hier bis er auf die Baustelle der Sagrada Familia zog, um sich ausschliesslich dieser Kathedrale zu widmen (so hab ich zumindest irgendwo gelesen).

Gaudi und andere "Modernisten" hinterliessen ihre Spuren an vielen Stellen in Barcelona. Die Reiseführer haben ganze Stadtwanderungen im Programm, auf denen man in einen wahren Architekturrausch verfallen kann. Hier ein mit Schirmen geschmücktes Haus.

Falls es mal richtig regnet...

Die berühmte Casa Battlo mit den Haifisch-Gebiss-Balkons.

Auf dem Dach der Casa Mila, auch La Pedrera genannt.

Alte Glasflaschen werden zu weltberühmten Schornsteinen...

Fast schon extraterrestrisch anmutende Formen.

Ein Treppenaufgang in La Pedrera.

Und so interessant kann ein Türgitter sein.

Selbstportrait in einem Gaudi-Spiegel.

Zur Abwechslung mal etwas wirklich Modernes: die Fenster und Balkons des Hotels Omm.

Im Gegensatz dazu das alteingesessene Hotel Oriente auf den Las Ramblas.

So touristisch-schön auch vieles ist hier in Barcelona, viele Leute leben hier ein ganz normales Leben, oft wohl auch in etwas ärmlicheren Verhältnissen.

Winterputzen auf einem Kirchof.

Ein längerer Marsch führte mich von der Place d'Espanya...

Hinauf zum "Nationalmuseum" von Katalonien - die Provinz Katalonien mit der Hauptstadt Barcelona hat einen etwas undurchsichtigen Status und sieht sich gern als unabhängig an, vor allem von den Zentralisten in der Hauptstadt Madrid.

Das Nationalmuseum steht auf einem grossen Hügel (Montjuic), der ausserdem noch Stadien der Olympiade von 1992 sowie eine alte Zitadelle beherbergt. Von der Zitadelle aus hat man einen herrlichen Blick in alle Richtungen... Wie hier über die Innenstadt mit dem neugebauten Torre Agbar...

...oder den Yachthafen mit der Sagrada Familia im Hintergrund.

Eine Seilbahn verbindet den Montjuic mit dem Hafengebiet (im Bild zwei der eisernen Seilbahntürme)....

....und Schwuppdiwupp schwebt man 7.50 Euro leichter über dem Strand...

...und kann sich an selbigem an moderner Kunst erfreuen. Oder auch vereinzelten Wintersurfern beim etwas erfolglosen Wellenreiten (mangels Wellen) zuschauen.

Nach vier Tagen hatte ich genug Barcelona getankt...

...und flog über die Alpen zurück nach Berlin, um dort mit meinen Lieben Weihnachten zu feiern. Adios!

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