Helsinki (July 2006)

Auf meinem Weg nach Deutschland legte ich diesmal eine kleine Pause in Helsinki ein. Den Norden habe ich ja bisher - bis auf Kopenhagen - eher vernachlaessigt. Und natuerlich passte es gut, dass hier im Sommer eine wunderbare Temperatur herrschte, waehrend man in Deutschland, Durham, und Italien von der Hitze fast erdrueckt wurde. Hier eines der Wahrzeichen Helsinkis, die Tuomiokirkko, auf Deutsch: die Lutherische Kathedrale.

Weitaus geschaeftiger ging es allerdings auf der Esplanade zu. Hier ist das Zentrum der Stadt, vor allem natuerlich bei herrlichem Wetter. Auf unendlichen Bankreihen sitzen gemuetlich Leute aus aller Welt friedlich neben heimischen Handwerkern und Skateboardern. Strassenmusikanten erfuellen die Luft mit oft sehr guter Musik, und Schausteller verdienen sich mit verschiedensten Tricks ihren Lebensunterhalt. Diese Dame hatte dressierte Katzen und Hunde, und irgendwann fischte sie sogar mich aus der Menge, um ihr bei einem Trick zu helfen.

In der Stadt gibt es viele Denkmale. Und Moewen. Dieser Herr, eigentlich ideal positioniert inmitten der Esplanade, haette bestimmt gern eine Hand frei gehabt, um sich freie Sicht zu verschaffen. Aber damit war's wohl leider nichts.

Entlang der Esplanade reihen sich sehr schoene Cafes, leider auch mit entsprechenden Preisen. Vor einem der Cafes hatten sich hier Strassenmusikanten aufgebaut - obwohl Kammerorchester wohl der passendere Ausdruck ist. Sie spielten nahezu perfekt, vor allem die Vier Jahreszeiten, und der Sprache nach zu urteilen kamen sie aus Russland.

Ausserhalb des relativ kleinen Stadtzentrums geht es viel ruhiger zu. Hier sitzen einige Einheimische gemuetlich auf einem Bootssteg und kloenen. Es dauerte eine Weile, bis ich mich an den Anblick voller und leerer Bierbuechsen gewoehnt hatte, sind sie doch in den USA in der Oeffentlichkeit verboten.

Helsinki ist wunderbar am Wasser gelegt, und direkt am Hafen befindet sich der Fischmarkt (Kauppatori), obwohl es dort vor allem fertiges Essen und Touristenkram gibt. Ausserdem starten am Kauppatori auch die meisten der Schiffe, die sich ueber die Ostsee in aller Herren Laender bewegen...

Wie gesagt, wer sich sein Essen nicht selbst kochen will...

...der stellt sich am besten an einem "Grilli" an, einer Grillbude mit Restaurantpreisen.

Wer ueberfluessige Pfunde loswerden will, laeuft am besten zum Olympiastadion etwas ausserhalb des Zentrums. Es sieht jetzt ziemlich verlassen aus, aber die Architektur ist noch immer interessant.

Helsinki hat viele kleine Parks und Huegelchen, auf denen sich im Sommer die Menschen zum Sonnen ausbreiten. Hier eine Gruppe von Teenagern im Kaivopuisto Park - natuerlich mit einer obligatorischen Ladung Olut - Bier. Ich habe auf dieser Tour einige Sorten durchprobiert, aber vom Hocker gerissen hat mich nichts (lag vielleicht daran, dass der Alkoholgehalt hier relativ gering ist, da Alkohol sehr start besteuert wird).

Ein beliebter Sommerplatz scheint auch der Operngarten zu sein. Hier genossen in friedlicher Gemeinschaft Streetdancer, Familien, und Tango(?)-Lernende den sonnigen Nachmittag. Ein schoener Platz, um auszuspannen, und das "echte" Helsinkier Leben kennenzulernen.

Da Helsinki relativ schnell erkundet ist, gesellte ich mich zu 5 Millionen anderen Touristen und schiffte mich auf die nahegelegene Festungsinsel Suomenlinna ein. Die Insel(gruppe) ist ziemlich umfangreich und wirklich sehr schoen. Ob der Weltkulturerbestatus gerechtfertigt ist, mag man bezweifeln.

Interessant ist, dass die Insel noch von normalen Menschen (d.h. nicht-Touristen) bewohnt ist.

Helsinki ist umgeben von vielen kleinen Inselchen. Auf vielen steht nichts oder nur ein klitzekleiner Leuchtturm. Auf anderen steht ein Restaurant, zu welchem einen spezielle Boote fuer ein romantisches Dinner bringen... hab ich gehoert .(

Ein kostenloses Abendmahl gibt es in der Temppeliaukio Kirche. Sie ist besonders bekannt, weil sie in den Fels gehauen ist; mit ihrer modernen und doch zeitlos-irdischen Erscheinung ist sie ein besonderer Anziehungspunkt.

Der naechste Ausflug fuehrte mich ueber die Ostsee nach Tallinn, der Hauptstadt Estlands. Ich war ueberwaeltigt von der historischen Altstadt mit ihren vielen Tuermen, der beeindruckenden Stadtmauer, und den vielen bunten, renovierten Haeusern. Besonders schoen war es auch, fuer eine Weile in einer russisch-orthodoxenKirche dem exotisch anmutenden Gottesdienst beizuwohnen.

In der Altstadt Tallinns.

Ein Blick vom Kirchturm auf den Domberg.

Die Neustadt Tallinns ist viel weniger eindrucksvoll, eigentlich vor allem gesichtslose Neubauten. Bis auf dieses Glanzstueck aus Zeiten des real existierenden Sozialismus - so etwas wie der Kulturpalast. Eine riesige Anlage aus Beton, direkt am Meer, in einem halb verfallenen Zustand... Dieser Ort hat auf mich einen tiefen Eindruck gemacht, und am liebsten haette ich Stunden mit der Erkundung geheimnisvoller Tueren, Treppen, Durchgaenge und Terrassen zugebracht. Aber die Faehre zurueck nach Helsinki wartete.

Am naechsten Tag stieg ich vom Schiff auf den Bus um. Ueber die Autobahnen Finlands ging es die Kueste entlang bis nach Porvoo. Dieses Staedtchen ist noch viel kleiner als Helsinki, aber ist bekannt fuer seinen roten Lagerhaeuser, die an einem idyllischen Fluesschen liegen. Heute werden sie vor allem als Antiquitaetenlaeden, Galerien, oder Souveniershops genutzt.

Die Altstadt Poorvos besteht aus vielen kleinen Gaesschen und bunte Holzhaeusschen... und sobald man um zwei, drei Ecken biegt, ist man mit der Geschichte allein. Die meisten anderen Touristen trinken unterdessen am alten Stadtplatz Kaffee und kaufen Postkarten.

Vom Kauppatori aus hatte ich schon mehrfach beeindruckt die grossen Schiffe beaeugt. Und dann lass ich in meinem Reisefuehrer, dass diese vor allem nach Stockholm fahren und unglaublich billig seien. So fragte ich mich durch und war schliesslich fuer eine 2-Tages "Cruise" nach Stockholm gebucht, auf der luxurioesen "Serenade" der Silja Line.

Sobald ich das Schiff betrat, verschlug es mir fast den Atem. Eine mehrstoeckige Einkaufsstrasse in der Mitte des Schiffes!

Meine Kabine war auf Ebene 9, das Schiff hat insgesamt 12 Etagen... Ich teilte die Kabine mit zwei anderen Einzelgaengern. Da diese Fahrten zwischen Helsinki und Stockholm vor allem dazu dienen, zollfrei Alkohol einzukaufen, hatte ich mich auf das Schlimmste vorbereitet, aber alles ging gut.

Hier der Duty Free Shop - Da Steuern in Skandinavien sehr hoch sind, lohnt sich hier der Einkauf, besonders wenn es um Alkohol und Zigaretten geht. Laut Werbebroschuere verkauft nur der Flughafen London mehr Duty Free Items als die Silja Line... Und man beginnt das zu glauben, wenn man sieht, das es Bier schon fertig in grossen Transportkisten zu kaufen gibt, inklusive Sackkarre.

Wenn man die Augen vom Ueberfluss der Konsumgesellschaft zu loesen vermag, so kann man sich draussen an der wunderbaren Landschaft ergoetzen. Ein weiter Teil der Strecke geht durch Inselarchipele. Viele der Inselchen sind kahl und unbewohnt, andere haben ein paar Baeume oder romantische Holzhaueschen... Die Ostsee hat fuer mich auf dieser Reise wirklich ein neues Gesicht bekommen.

Nach 16 Stunden landeten wir in Stockholm. Ich wanderte vom Hafen in die Stadt, und bald wurde deutlich, dass Schweden lange Zeit die Region dominierte. Das Parlamentsgebaeude und die Schlossanlage sind riesig, und viele andere Gebaeude zeugen vom Reichtum der Stadt,

Auf der Schlossinsel kann man sich an alter Architektur und Schaufenstern satt sehen.

Zur Mittagsstunde gibt es den grossen Wachwechsel vor dem Schloss. Ich habe derartige Zeremonien ja schon in anderen Staedten gesehen, aber Stockholm schlaegt alles bisher gesehene. Unzaehlige Soldaten sind beteiligt, viele Pferde, ein komplettes Orchester... ueber eine Stunde kann man bei diesem Schauspiel verbringen...

...und die armen Wachen bemitleiden.

Ich hatte nur einige Stunden in Stockholm, bevor mich die "Serenade" wieder nach Helsinki brachte. Ich entdeckte, dass das Schiff sogar eine finnische Sauna hatte, ganz oben auf dem Schiff, mit wunderbarem Blick ueber die Landschaft. Und so machte ich es mir da gemuetlich, mit einigen Bechern fast alkoholfreien Biers, und beobachtete die vorbeiziehenden Inselchen in der Abendsonne. Reisen ist oft eine hektische Angelegenheit; umso mehr bleiben derartige Ruhepunkte in Erinnerung...

Bevor ich mich auf den Weiterflug nach Berlin begab, entdeckte ich eine neue kleine Ecke Helsinkis, den Hietaniemi Friedhof mit dem angrenzenden Strand von Hietaranta.

Vom Badesand kann man sich dann an einer der vielen "Putzstationen" befreien, wie sie an den Hauseingaengen Helsinkis zu finden sind. Total genial. Wie diese ganze Reise :)

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