Kaliningrad (19.-26.5.2002)

 

Als kleine Pause vorm endgültigen Ende meines deutschen Studiums beteiligte ich mich an einem Jugendaustausch mit Kaliningrad, organisiert vom Politischen Jugendring Dresden e.V.  Die hohe Zahl der „Grade“ im Osten liegt uns ja noch im Ohr, wenn auch einige davon in Burgen und anderes umbenannt worden sind :-). Aber mehr als dies verband sich mir noch nicht mit diesem Namen. Bisher wer mir das Russische immer etwas suspekt, nicht nur wegen der Horrorstories, welche mir manchmal auf S-Bahn Sitzen aus den abgelegten Zeitungen entgegenquellen... Mit Leuten, die sich auskennen aber, sollte das Ganze weniger gefährlich und auch viel lehrreicher werden, ist es doch immer gut, jemanden dabei zu haben, der die nicht-touristischen Ecken kennt und aus dem Leben vor Ort aus eigener Erfahrung zu berichten hat.

 

Treffen war also am altbekannten Hauptbahnhof in Dresden. Ich stieß auf eine illustre Gruppe, von der mir einige schon z.T. sehr lange Freunde waren – also gleichzeitig eine kleine Familienzusammenführung. Mit westlicher Marschverpflegung ausgerüstet, setzten wir uns am zeitigen Abend in den Zug und es ging auf nach Polen. Alle organisatorischen Klippen wie die Fahrkarten- und Visaangelegenheiten hatte uns der PJR freundlicherweise abgenommen, und so hatte man ein viel leichteres Gefühl als bei sonstigen Touren. Mitten in der Nacht wechselten wir auf einem ausgesprochen Geschäftigen Bahnhof in Wroclaw den Zug und suchten uns ein Plätzchen im Liegeabteil, nachdem der beschlipste und geschniegelte Schlafwagenschaffner uns die Fahrkarten abgenommen hatte. Das heiße Wasser in der Waschkabine gleich neben dem Klo hätte ich lieber gegen kaltes eingetauscht, aber heißes Wasser ist immer noch besser als heiße Luft... Mit kameradschaftlich geteiltem und durcheinandergewürfeltem Abendbrot im Bauch schlief ich schaukelnd in meinem Schlafsack ein. Der Lärm des Fahrens schreckte uns davon ab, das Fenster mehr als einen unbedeutenden Spalt zu öffnen – was bei einem längeren Aufenthalt auf einem dunklen Bahnhof zu fast tropischen Bedingungen führte. Glücklicherweise war mein Schlafsack nach unzähligen Jahren nicht mehr so warm, wie es die minus-10-Grad-Komfort-Angabe glauben machen wollte. Nach diesen halbrealen Wüsten Träumen erwachten wir so gegen 5 und konnten eine traumhafte Sonnenaufgangsszenerie erleben. Mit einem warmen Gelb erschien die in Ost und West gleichermaßen außerirdische Sonne über weiten grünen Flächen, gelegentlich von dunklen grünen Waldflecken getupft und noch seltener Häuser und Höfe tragend. Einige Wolken gaben dieser morgendlichen Geburt eine gewisse Nichtalltäglichkeit – so wie auch eine Menschengeburt zwar sekündlich geschieht aber eben doch nur einige wenige Male im Leben.

 

Der nächste Bahnhof nahte, und einige Tropfen heißen Wassers taten ihren Dienst am dann getäuschten Aufwachmechanismus. In der Morgensonne lag der Ort vor uns. Wir hatten genug Zeit, um uns im Bahnhofsbistro einen polnischen Kaffee zu genehmigen. Natürlich hatten wir keine Zloty, aber anfangs war ohnehin geschlossen, Morgenpause. Und so machten wir mit unserem Haufen Gepäck auf der Bahnhofsvorplatzbank Station, wo uns schon die Schizophrenie des ehemaligen Ostens begegnete. Plastemülltonnen in aktueller Berliner Ausführung hingen an von den jahrzehntelangen Liebkosungen der Arbeiterhände entfärbten Rohrgeländern. Die Menschen stiegen in Busse, welch einer asiatischen Großfamilie hinsichtlich Altersunterschieden in nichts nachstanden. Geschmückt waren sie mit Werbung, die sich ja so leicht von West nach Ost bringen läßt... Und im Hintergrund die Nachkriegsbauten, die sich in so vielen damals noch ähnliche Schicksale teilenden Gegenden finden... gezeichnet von den Schmutzschichten des real existierenden Kommunismus, die Meister Proper nur schleppend abzulösen scheint. Nur das Gras erscheint in dem bekannten Grün – es ist Frühling. Am Zeitungskiosk mit den neuesten bunten Pop-CDs sammeln sich die Arbeitsamen - Ich werde aus der Betrachtung gerissen durch das Knattern eines rollenden Eies – „Polskifiat“ blitzt es in mir auf. Doch bevor ich den Skrupel des selbsternannten Paparazzo ablegen konnte, hatte sich der Fahre schon mit einem Rädchen auf den Bordstein gestellt und aus seinem Fahrzeug entfaltet. Nach einer morgendlichen Entspannungstour durch die erwachende Stadt mit ihren so fremd heimisch anmutenden Sonnenstudios und verschimmelten Häusersockeln, vorbei an dem ein oder anderen Biertrinker, fanden wir endlich Einlaß in das Bistro, wo es einige von uns irgendwie schafften, Euro in Zloti zu tauschen, oder vorsorglich doch schon damit ausgerüstet waren. Den Abfahrtsbahnsteig teilten wir mit einer Gruppe von Schuluniformierten, deren weißes Schulwappen sich auf die Macht der selbstdefinierten Tradition zu berufen schien und mich an Duke erinnerte, welches ich ähnlich gegen die Arroganz englischer Stätten verteidige. Daneben auch arbeitendes Volk, vornehmlich jüngeren Semesters, auch schon mit attraktiven Plastebeuteln, deren kulturelle Schwerkraft mir aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewußt war. Während die Jugend die Kleidung des Westens angelegt hatte, schienen sich die Älteren entschlossen zu haben, erst die Kostüme der guten alten Zeit aufzutragen. Auf dem Bahnhof trafen wir auch Wolfgang, die heimliche Seele unseres Seminars vor Ort, wie wir Stück für Stück erfahren sollten.

 

Auf der Weiterfahrt passierten wir eine wahrlich alte Ritterburg, durch deren Gemäuer ich gern gestreift wäre. Aber der Wagen, der rollt. Und bringt uns bald zur russischen Grenze, vor der wir schließlich in einen kurzen Zug steigen, der in seiner Einfachheit zurückführt zu den Wurzeln des Reisens und der Entfremdung entbehrt, welche einem LCD-Bildschirme, schalldichte Türen und versiegelte Fenster in der neuen Heimat bringen. An der Grenze zu Rußland stand der Zug eine Weile still. Irgendwie schien der Visa-Deal nicht geklappt zu haben... in meinem Paß prangte noch immer der Aufkleber des alten US-Feindes und nun vielleicht so was wie kalten Bruders, doch ein russisches Visum hatte mir der Grenzbeamte nicht zu geben. Die Visa waren nicht wie besprochen an diesem Bahnhof hinterlegt worden, sondern irgendwo an der Autobahn. Wolfgang entschwand in das Büro des Kommandanten und wir warteten... Irgendwann wurde uns wie selbstverständlich gesagt, daß der Zug so lange hier halten würde, bist die Visa von einem Soldaten zu uns gebracht worden sein. War uns natürlich nur recht, und die wenigen Mitreisenden schienen mit der Relativität der Zeit auch kein Problem zu haben, sie nutzten die Zeit, um, die Beine hochgelegt, mit einer Schaffnerin anzustoßen. Endlich hatten wir unsere Papierstreifen und rollten im Schrittempo über die Grenze, vorbei an einem windschiefen grasgedeckten Soldatenunterstand neben dem sich ein tarnuniformierter Jüngling postiert hatte und so gar nichts abschreckendes versprühte, und verrostetem Stacheldraht. Dann unendliches Grün, welches geschmückt war mit Blüten aller Art, vor allem aber rotem Mohn und blauen Lupinen. Irgendwo zerrt ein alter Mann eine Kuh an der Leine. Neben uns zog sich lange das Skelett einer alten Eisenbahnlinie, die langsam wieder von der Natur in Besitz genommen wurde und dieses Schicksal mit einem verrottenden Bus in der Böschung teilte. Wir hörten nun die ersten Erzählungen von Wolfgang, diesem noch wundersamen Mann, der uns soeben in dieses Land geschleust hatte, und den Eindruck erweckte, mit einer Mischung aus russischer Kulturkenntnis und deutscher Hilfsgütermacht die Region in der Hand zu haben.

Die ersten Anzeichen der Stadt tauchten auf. Schrebergartenanlagen russischer Prägung, mit winzigen Häuschen, deren 5-Eckigen Dächer entfernt das Gefühl russischer Märchen in mir auflodern ließ. Und verlassene Wassertürme, durch deren hölzerne Köpfe nun wieder der Wind pfiff. Kurz vor dem Bahnhof von Kaliningrad dann auch Menschen, meist in Gruppen stehend und auf Werkzeuge gestützt, auf Lastwagen liegend oder auf einer grünen Böschung die Sonne genießend. Es muß Mittag gewesen sein.

 

Wir rollten in den Schatten der Bahnhofshalle und schon entdeckten wir fein aufgereiht unsere russischen Freunde. In unserem Backpacker-Outfit matchten wir nicht ganz die Kleidung der Gastgeber, aber dies würde sich zumindest teilweise bald als ein normaler Kulturunterschied entpuppen. Wie wir es von früheren Freundschaftsbesuchen aus dem Fernsehen kannten, schritten wir die Reihe ab, schüttelten alle Hände und stellten uns vor, der Bruderkuß entfiel... Und schon konnte ich den eindrucksvollsten Gesichtern einen Namen zuordnen. Wir wurden aus dem Bahnhof geführt und auf dem Vorplatz erwartete uns ein kleiner Bus, in dem wir gerade alle Platz fanden. Der Weg zu unserem Wohnheim führte vorbei an unzähligen Plattenbaufassaden, die mit ihren großen Schriftzügen und ihrer scheinbaren Unverrückbarkeit von der großen alten Zeit zu zeugen schienen. Immer wieder das Rumpeln unserer Räder, wenn das Schlagloch von einem Stück Straße unterbrochen wurde. Nach nur kurzer Fahrt nahmen wir unsere Zimmer in Beschlag, eine Etage in einem zentralen Studentenwohnheim. Die russischen Worte einiger von uns schafften eine gute Atmosphäre mit der Vorzimmerdame, welche unsere Etage bewachte uns mit Schlüsseln versorgte und – wie sich später herausstellen sollte – auch einheimische Eindringlinge abzuhalten angehalten war. Wie wir auf späteren Erkundungen feststellen sollten, war unsere erste Etage ausgesprochen Nobel, über uns herrschte tiefster Osten. Aber dahin sollten Gäste wohl gar nicht auf die Idee kommen vorzustoßen.

Es war keine Zeit für Erholung, denn die Stadtführung stand an. Vorher aber ertauschten wir uns Rubel (1:29) und leisteten uns eine Pizza in einer vollkommen westlichen Pizzeria. Dabei  bot sich auch die erste Gelegenheit zum ausgiebigen Gespräch.

Unsere Gastgeber hatten kleine Vorträge zu den Sehenswürdigkeiten Kaliningrads vorbereitet, die wir uns nun am jeweiligen Ort anhörten. An der alten Uni, dem Kant-Denkmal, am Dom und vor dem ehemaligen deutschen Bunker. Nachdem wir in diesen hinabgestiegen waren, konnten wir auf vielen Tafeln und anhand von Modellen das Schicksal Kaliningrads in den letzten Kriegsmonaten nachvollziehen, englische Bomben haben ihm ähnlich zugesetzt wie Dresden, der Kommunismus hat die letzten Spuren jedoch weitaus rigoroser ausgelöscht als dies in unserer Heimatstadt glücklicherweise der Fall war. Besonders eindrucksvoll das Haus der Sowjets, ein großer, nie fertiggestellter Betonklotz, der jetzt den Platz des ehemaligen Schlosses einnimmt. Totes Dunkel leuchtet aus den glaslosen Fensteraugen, und man wäre nicht verwundert, aus den zwei Karussellen davor einen geistesgestörten rotgekleideten Clown springen zu sehen.

 

Am Abend waren wir Wolfgangs Gäste im Reich des Vereins Königsberg. Wolfgang ist ein vorzüglicher Koch und so mangelte es uns an nichts. Angesichts der überlaufenden Tafel mit allen Dingen, die sich ein westeuropäisches Herz so wünscht, wurde das Bild der nach Brot schlangestehenden Omas in mir irgendwie unrealistisch. Und ich sollte es auch nicht in Wirklichkeit sehen. Wieder am Wohnheim angelangt, konnten wir uns nicht von einander trennen, und so schleusten wir den Großteil der Russen noch mit in unseren Aufenthaltsraum, wo sich Bier und Wodka auf den Tisch verirrten. Selbiger sieht jedoch auch nach langer Nacht recht ordentlich aus, da es russische Sitte ist, leere Flaschen unter den Tisch zu entfernen – vielleicht wegen des Jammerns der verdurstenden Flaschengeister. Wir verdursteten jedenfalls nicht, im Gegenteil wurde also der erste Abend zünftig begossen. Bis unsere Vorzimmerdame Wodka roch und alle Nichtbewohner rauswerfen wollte, was nur die russischen Beruhigungsworte Stefans hinauszögern konnten, nachdem der unter einigen moralischen Bedenken unternommene Versuch, sie mit für uns billigen Rubeln ruhig zu stellen, nicht gefruchtet hatte.

 

Halbwegs nüchtern stiegen wir am nächsten Morgen zu studentenunfreundlicher Zeit (die hier auch noch eine Stunde eher war als in Deutschland) in die alte Tatra-Straßenbahn, in welcher sich eine kleine Kassiererin zu den Eingestiegenen durchquetscht, um ihnen 4,50 Rubel abzunehmen (irgendwann kamen wir dahinter, daß wir als Studenten nur 2,50 zu zahlen hatten) – und der erste Kontakt mit dem stolzen zweiköpfigen Adler auf den Münzen war hergestellt. Ab und zu tauchte in diesem Bahnen sogar eine deutsche Inschrift auf, wie die Beschriftung „Türoffner“, welche an dem kleinen grauen, jedoch von allen Innereien befreiten Kästchen gleich neben der Tür den Finger in eine dunkle Leere lockte. Frühstück gab es wieder bei Wolfgang, wo wir uns die Zeit bis zur Abfahrt unseres Busses am naheliegenden oberen Teich vertrieben. Der Zeit war viel, denn der Bus – geborgt aus einer Sozialeinrichtung – hatte einen Schaden. Endlich aber waren wir auf dem Weg zur Küste, nach Svetlogorsk. Aus dem Busfenster erblickten wir während der Fahrt staunend unzählige Storchennester, neben den Dörfern ein Grund, warum man sich in das ländliche Deutschland der Vorkriegszeit zurückversetzt fühlte. Erster Programmpunkt war der Besuch in Wolfgangs anderen Reich, dem Sozialzentrum etwas außerhalb der Stadt. Hier werden in einem alten Kühlhaus Tonnen von Hilfsgütern sortiert und verteilt, von Kleiderkisten über Rollstühle bis hin zu Holzschutzmittel und künstlichen Nieren. Auf dem Weg zum Tuberkulosezentrum, dessen Renovierung Wolfgangs Verein tatkräftig unterstützt, liefen uns wieder die Plastetüten über den Weg. Sie sind hier ein alltäglicher Gebrauchsgegenstand und je nach Interesse des Trägers mit (Mercedes) Autos, Blumen oder roten Kirschen bedruckt. Wie ihr wollt. Wir erreichen den ruhig gelegenen Komplex und bekommen den ehrgeizigen Bauzeitplan erklärt. Als wir näherkommen, beenden die Arbeiter gerade ihre Pause und wir können sie bei ihren Tätigkeiten Beobachten, auf dem Fensterbrett eines dachlosen Zimmers eine große Papptafel mit kommunistischem Emblem. In einem anderen Gebäude begegnen uns tatsächlich Kinder, und abgesehen von der etwas stickigen Luft macht alles einen sehr guten Eindruck – das Bild der dahinsiechenden und für Organhandel mißbrauchten Lebewesen wird ebenfalls gelöscht.

 

Nach so viel sozialem Engagement stand Hedonismus auf dem Plan. Vorbei an einer jetzt orthodoxen ex-evangelischen Kirche ging es zum Strand von Svetlogorsk. Auf der bombastischen Betontreppe steigen wir hinab und erblicken die ebenfalls grausteinerne Promenade, welche sich zum Glück eng an die Düne schmiegt und Platz läßt für den weichen Sand. Wir ließen uns bei mäßiger Wärme nieder und nach einem Besuch auf dem Klo und dem Überwinden der Bernsteinverkäuferlinie mundeten uns die Reste des Frühstücks vortrefflich. Aus Prinzip (und zurückdenkend an die nächtlichen Winterbadeaktionen an der niederländischen Nordseeküste) gingen Chica und ich ins Wasser – nicht ohne doch über die stechende Kälte im Nacken erschrocken zu sein. Deshalb natürlich keine Reue, statt dessen ein wohliges Gefühl, wenn man der Kälte entronnen und zurück in der nun um so wohligeren Wärme ist.

Nach einer etwas verkürzten Wanderung durch den Kurort Svetlogorsk fielen wir wieder im Sozialzentrum ein, wo wir – auf Wolfgangs Künste aufbauend – ein Abendgrillen abhielten. Natürlich durfte auch das einheimische Bier („Kenigsberg“) nicht fehlen. Der Busfahrer kam etwas zu zeitig (bzw. wir waren zu spät), es sei aber nicht üblich, so wurde uns erklärt, daß er sich mit an den Tisch setzte, statt dessen nahm er sein Steak stehend am Grill zu sich. Irgendwie verwunderte uns das, aber so richtig klar und vergleichbar war hier gar nichts, ein deutscher Busfahrer hätte wohl gar nicht gewartet... Auf der Rückfahrt wieder die vielen Storchennester und blauen Lupinenfelder.

 

Nachts wählten wir nach der langen Busfahrt des Tages zur Disko einen nicht minder langen Fußmarsch, der uns allerdings dank russischer Knoblauchbrotchips und Flaschenbiers erträglich wurde. An einem Minifenster, dessen schwarzer Vorhang keinerlei Sichtkontakt mit der Verkäuferin gestattete, erstanden wir unsere Tickets (50 Rubel für Männer, 30 für Frauen) und betraten dann das nobel scheinende Etablissement. Bereits an der Garderobe wurden wir eingehend von mehreren Wachmännern in schwarzen Anzügen gemustert, und bald trafen wir ihre Kollegen auf den Treppenabsätzen, neben der Bar, am Rande der Tanzfläche, auf der Empore... Bis auf die Muskeln der zum Schutze bestellten schien uns keine Gefahr drohen zu können. Gleichzeitig hatten sie wohl aber auch den Zweck, die Zahl der Menschen im Raum zu erhöhen, welche sonst ziemlich kläglich war, was aber an einem Wochentag in einer 500k-Leute Stadt auch nicht allzu sehr wundert. Dafür war die Tanzneigung ausgesprochen hoch und die Musik – nach meinem Geschmack – sehr gut, etwas technolastig. Wer dies nicht mochte, vergnügte sich an der Bar, wo man mit 20 Rubel für einen Wodka-Cocktail dabei war. Nach einiger Zeit und dem gruppenüblichen Hin- und Her (die Wartenden wurden bestimmt darauf hingewiesen, daß das Sitzen auf dem Geländer an der Wand des Garderobenraumes nicht erlaubt sei) machten wir uns wieder auf den Heimweg. Laufen wollte natürlich niemand mehr, doch neben dem Taxi wurde noch vorgeschlagen, per Anhalter zum halben Preis zu fahren. Ich war dann doch froh, im Taxi zu sitzen, zumal mir 50 Rubel für 4 Leute durchaus angemessen schienen.

 

Unangemessen dafür die verbleibende Schlafenszeit, und so wachte die gesamte Etage erst verspätet auf, zu spät, um die ehrgeizigen Zeitpläne einzuhalten. Das hektische doch eigentlich unmögliche Aufwachen wurde begleitet von exotisch anmutenden Geräuschen aus dem weißen Plasteradiokasten über meinem Bett. Anderntags wies er mein Verlangen nach Wiederholung jedoch schweigend ab. Am nun späten Morgen begegneten wir auf dem Weg zur Bahn wieder mehreren Männern in Uniform (Veteranen?), stolz die Orden vergangener Zeiten auf der Brust. Der Weg führte vorbei an einer Treppe, und wer nicht aufpaßte mußte verdutzt seinen verstauchten Fuß reiben, wenn er (nicht) auf eine der fehlenden Stufen trat. Aber dies war wohl immer noch besser, als sich an das Loch im Brückengeländer am erstickend daliegenden See nahe Wolfgangs Büro zu lehnen. Nach dem wieder reichlichen Frühstück, zu dem uns unsere Gastgeber stets frisches Brot besorgten, wanderten wir bei schönem Wetter vorbei am See aus schwerem Wasser, an der Baustelle mit robustem Riesenkompressor, auf schlaglochiger Straße zum Kinderzentrum Jablonka, welches von der evangelischen Kirche seit kurzem für Kinder betrieben wird, die ansonsten auf der Strasse leben. Als Gastgeschenk kauften wir zwei große Kisten Bananen. Im Zentrum können sie schreiben lernen, Wäsche und sich selbst waschen, Malen, Spielen und auch Handwerksarbeiten machen – ein Junge spielte für uns hinreißend Klavier und andere lochten wie gut trainierte Duke-Spieler die Basketbälle ein. Eine fast paradiesisch anmutende Stätte. Bisher nehmen nur wenige Kinder das Angebot an, was unter anderem am sommerlichen Wetter liege... aber auch im Straßenbild fallen obdachlose Kinder nicht (als solche) auf. Zwei mittelalterliche Männer – einer davon allerdings schon halb wodkatot auf dem Fußweg liegend - waren die glücklicherweise geringe Ausbeute diesbezüglicher Beobachtungen.

 

Zum Mittag gab es bei Wolfgang echt russische Pelmeni mit diversen Soßen, wobei die traditionelle Smetana (Sahne) am besten schmeckte. Dazu unter anderem das salzige Mineralwasser, welches wegen seines stark gewöhnungsbedürftigen Geschmacks lange haltbar war, und so oftmals als eiserne Reserve (u.a. für das nächtliche Aspirin) fungierte. Gleich im Anschluß daran eröffneten wir die Gruppenarbeit, in der wir uns mit verschiedenen Aspekten der Region beschäftigten. Nicht nur einmal tauchten dabei Redewendungen wie „ihr müßt mehr Infrastruktur bauen“ oder „die Motivation der Arbeiter erhöhen“ auf, die zwar sachlich nach dem Stand der Wissenschaft kaum Widerspruch erfahren dürften, dennoch manchmal den Eindruck machten, der erfolgreiche Wessi rede mit dem gescheiterten Ossi.

Vor dem Besuch des Domes mit seinem Kant-Museum hatten wir während der Preisverhandlungen Zeit, die Bauarbeiter(auszubildenden?) in und vor den Baubaracken zu beobachten. Besonders romantisch ein lodernder kleiner Ofen. Im Dom selbst war nur einer am Werk und zweifelnd betrachteten wir das Schild mit der Verkündigung des Fertigstellungsdatums. Am Ende der Führung durch das Museum fragte uns die Führerin vor Kants Totenmaske, ob wir nicht Bücher über Kaliningrad hätten, an die käme das Museum so schlecht ran...

Nach dieser Tour erreichten wir erschöpft unser Wohnheim, welches in wunderbarem Abendschein lag, welcher nicht nur Studenten auf die Balkons, sondern auch Kinder auf den „Panz“ vor unserem Fenster trieb. Trotz Müdigkeit nutzten wir auch den Abend, passierten die letzten Buden des täglichen Marktes, und machten einen Rundgang durch den naheliegenden Park mit seinen Parkbänken. Vor einem Imbißstand parkte eine ältere dicke S-Klasse, die uns in ihrer lackschwarzen Unversehrtheit und mit Chromschmuck wieder in den Sinn rief, daß hier vieles nach anderen Gesetzen lief, vor allem teure Autos fast automatisch der Mafia zuzurechnen wären, wie mir mein russischer Freund lächelnd doch ernst sagte. Dann machten wir einen Zwischenstop auf ein Gläschen Wodka für 15 Rubel und schließlich kam der Gang über den ehemaligen Paradeplatz mit seinen noch immer sowjetischen Gebäuden und der Leninstatue.

 

Das neue Rußland sollten wir am nächsten Vormittag kennenlernen. Die Baltkran AG öffnete ihre Tore für die neugierigen Besucher. Aus einem alten sowjetischen Werk hervorgegangen, baut das Unternehmen nun mit westeuropäischer Beteiligung Hafenkrane und ähnliche Dinge, nach wie vor mit immerhin ca. 700 Mitarbeitern. Wir wurden nett empfangen vom jungen Marketingchef und dem betriebseigenen Deutschdolmetscher, die uns dann durch die eindrucksvollen Stationen der Fertigung führten. Statt der langweiligen weil zu geheimnisvollen Computerwerkzeuge erwartete uns nostalgische Robustheit und in der Gießerei wurde ich an Fritz Langs „Metropolis“ erinnert. Hier hätte mein Onkel seine wahre Freude gehabt, in dessen Werkstatt sich so Eindrucksvolles wie Schweißen, Gasflaschen und eine riesiger Schraubstock in mein kindliches Gedächtnis gebrannt hatte. In der Maschinenhalle arbeitete ein älterer Mann an einer überdimensionalen Bohrmaschine. Mit Interesse musterte er die fremden Wesen, die mit wohl noch größerem Erstaunen eine ehemalig weiße und flauschige, jetzt graue und unflauschige Angorakatze auf des Mannes Werkzeugtisch betrachteten. Unser Interesse wurde vom Bohrer mit einem liebevollen Lächeln erwidert, wofür er sich von seiner Maschine zu uns drehte, ohne dabei von seiner Arbeit zu lassen. Einige Stationen weiter kleinere Bohrmaschinen und eine große Stahlkiste mit vielfarbig schimmernden Lochnegativen und den Resten der Bohrpausen. Nach weiteren Gebäuden und einem Abstecher in das Betriebsmuseum (früher wurden in ähnlichen Räumen immer Heiligenbilder, Flaggen und Auszeichnungen aufbewahrt), verließen wir mit bunten Prospekten das Werksgelände. Unser kleiner Bus wartete auf uns und nach einer kurzen Pause für Kwas (alkoholfreies Erfrischungsgetränk aus gegorenem Brot, in Plastebechern serviert) und Provianteinkauf (natürlich inklusive der leckeren syrki, kleiner Würfel aus Quark und Schokolade) machten wir uns auf den Weg zur kurischen Nehrung, der langen Fastinsel, welche sich bis zum Nachbarn Litauen erstreckt.

Am Zugang zum Nationalpark verkauften uns unsere Gastgeber wohl als komplett russische Ladung, oft sind die Eintrittspreise an Sehenswürdigkeiten für Ausländer um Einiges höher als für Einheimische. Unser erster Stop war an der Vogelwarte, die im Jahr viele Tausend Vögel fängt und beringt. Ersteres mit einem eindrucksvollen, immer enger zulaufenden riesigen Netz, bei dessen Anblick ich aber gleichzeitig das Gefühl hatte, kleine Vogelflügel knacken zu hören... Märchenhaft dagegen die kleine Holzhütte, der nur noch die Hühnerbeine fehlten, um als das geheimnisvolle Haus der Hexe Babajaga durchzugehen. Vorbei an den Ständen mit Bernsteinkitsch, der uns von zu bezirzenden Augen gehörenden Händen entgegengehalten wurde, manchmal noch versehen mit einem deutschen „Vogel“ oder „Pferd“ ging es zurück zum Bus und weiter auf eine der großen Sanddünen. Im Heimatmuseum lernten wir später, daß hier eine Technik erfunden wurde, mit einem aufwendigen Geflecht aus gekreuzten Zweigen die Wanderung der Dünen und damit die Bedrohung der naheliegenden Orte aufzuhalten. Von einem Holzpodest aus bot sich uns der weite Blick über die menschengeformte natürliche Landschaft, die das für die Ostsee so typische und sehr reizvolle Mittel aus Größe und Verträumtheit findet. Diese Bühne nutzten wir auch für eine Serie von Gruppenphotos. Danach endlich durften wir uns den körperlichen Freuden am Strand widmen. Die Zahl der Wassergänger war gestiegen, und in kindlicher Weise entspannen sich bald wilde Spiele, als deren Höhepunkt wohl das Sonnencreme-Spritzen angesehen werden darf.

Für den Abend hatten wir in einer Gaststätte reserviert, wobei dies angesichts unserer Einsamkeit nicht nötig gewesen wäre. Es gab diesmal kein einheimisches Bier, sondern nur West-Import, und auch sonst wurde uns bald klar, warum der Besucherandrang nicht gerade groß war. Die Bedienung brachte einiges durcheinander und reagierte ausgesprochen genervt, als Wünsche geäußert wurden, obwohl diese meist vorsichtshalber von der besseren einheimischen Hälfte unseres Kollektives vorgebracht wurden. Eine kleine Reminiszenz an die Dorfgaststätten meiner Kindheit war die Pinkelrinne, welche bei uns unmerklich verschwunden war, wie ich nun merkte.

Auf der Heimfahrt sah ich ein russisches Kreuz (mit zwei Querhölzern), welches im Straßengraben für Unfallopfer aufgestellt worden war. So unterschiedlich die Religionen sein mögen, die grundlegenden menschlichen Gefühle einen uns doch alle als Menschen.

Bald schlich sich der Musikwurm in den Bus ein, und es wurde ein reichhaltiges Repertoire an russischen Liedern feilgeboten, von denen wir einige wie Katjuscha und das Ja-igraju-na-garmoschke-Lied kannten (und dann auch mitsangen), viele uns jedoch fremd vorkamen oder nur noch schwache Erinnerungen an einen vergangenen Diskoabend weckten. Unterschwellig wurde die übliche deutsche Selbstkritik laut, daß man von Liedern im Regelfall nichts kennte, in dem der Ausnahme die erste Strophe.

 

Am vorletzten Tag war wieder ein mehr theoretischer Einschlag geplant, Diskussionsrunde mit einem Vertreter der Deutschen Wirtschaft in Kaliningrad, der sich zufälligerweise mit Wolfgang das Haus teilte. Er versorgte uns mit vielen interessanten Informationen, die uns bei unseren Arbeitsgruppendiskussionen teilweise noch gefehlt hatten. Anschließend machten wir uns auf den Weg in eine der beiden Unis, wo wir einen Termin mit der Vizepräsidentin für Internationalen Austausch hatten. Wir warteten kurz auf Wolfgang, der sich noch um einige Formalien zu kümmern hatte, und konnten in dieser Zeit die russischen Studenten in ihrer so nichtssagend alltäglichen Betonuni beobachten. Aufgrund eines kürzeren Ausbildungsweges und des Verschiebens des Militärdienstes auf die Zeit während oder nach dem Studium, sind hier alle Gesichter sehr jung – ähnlich wie im russischen Teil unserer Gruppe. Bald kam der Chef und wir gingen in das „Aquarium“, einen Hörsaal mit riesiger Glasfront, wo uns die Vizepräsidenten herzlich begrüßte und in ziemlich gutem Deutsch die Uni vorstellte. Mittendrin klingelte ein Mobiltelefon – und selbstbewußt nahm Wolfgang ab, um seine Angelegenheiten zu klären. Noch bevor wir dann zu Fragen der Gäste kamen, die sich von der Ausgestaltung des russischen Unisystems bis hin zur Internationalisierung der Uni drehten, brach Wolfgang auf, er hätte noch einen Termin. Entgeistert schaute die Vizepräsidentin drein, sie hätte auch noch einen mit dem dänischen Botschafter. Das hielt natürlich den Vertreter der Stiftung Königsberg nicht von seinen Plänen ab, und die Fragerunde fand also ohne ihn statt, in einer für die Umstände unerwartet guten Atmosphäre. Irgendwann wurde uns auch gesagt, daß angesichts der großen Leistungen der Stiftung uns der Vorzug gegeben wurde, als wir mit Rostocker Austauschstudenten um das Studentenwohnheim konkurrierten... Mittag gab es wieder in unser Stammpizzeria, eine große Ladung gibt es dort schon für 80 Rubel, dazu ein Dr. Diesel Bier mit immerhin 6,9%. Bis zum Abschiedsabend hatten wir noch einige Stunden Zeit, von denen wir uns einige auf dem Markt umherdrückten, um eine pfiffige Geschenkidee für unseren Hauptgastgeber zu finden. Fast orientalisch muteten die Stände an, besonders die Fischabteilung, in der uns trübe Fischaugen entgegendünsteten, Berge von Kaviar an ihrer Frische zweifeln ließen und eine Verkäuferin genüßlich auf einem Trockenfisch rumkaute. Angenehmer der Gemüsemarkt, wo ich für den Abend eine Tüte Sonnenblumenkerne kaufte (wohl das Lied „Ein Äpfelchen, ein Zwiebelchen, ein Sonnenblumenkern“ im Kopf). Sonnenblumenkerne wurden übrigens auch sonst überall am Straßenrand von alten Muttchen verkauft. Mir war der Diesel in den Kopf gestiegen, und ich war froh, als meine weniger betankten Mitsucher endlich fündig wurden: eine Schürze wurde gekauft und mit den Unterschriften der deutschen Teilnehmer versehen, um dann am Abend an Wolfgang überreicht zu werden, der uns ja so vorbildlich bekocht hatte in den letzten Tagen. Für unseren Gruppenführer gab es ein Panzermodell – hatte er doch den Kosenamen „Panz“ in freudscher Versprechung anstelle „Tank“ für unseren Wohnheimpanzer geboren.

An diesem Abend erreichte die Fülle der Köstlichkeiten ihren Höhepunkt, und es sollte also in Kaliningrad sein, daß ich genug Material hatte, um das Shrimps-Knacken zu üben. Und natürlich durfte auch Wodka nicht fehlen, eine 1,5-Liter Flasche wurde fleißig pur und in diversen Mixformen geleert, und landete schließlich vor der abendlichen Diskothek leer im Papierkorb. Die diesmal gewählte Lokation war lockerer als die erste und wir hatten lange Spaß, bis schließlich um 4 abrupt die Lichter gelöscht wurden.

 

Am zerknautschten Morgen mußten wir die Zimmer übergeben, wobei von der diensthabenden Wachfrau genau geprüft wurde, daß die korrekte Anzahl an Gabeln, Tellern und Tassen in den Schränken vorhanden geblieben war. Die Ergebnisse der Zählung wurden in einem heiligen vergilbten Buch vermerkt. Die verbleibende Zeit bis zur nachmittäglichen Abfahrt verbrachten wir in kleineren Gruppen auf Stadtwanderung. Einige wollten shoppen, andere Kultur sehen, alle aber verabredeten sich zum gemeinschaftlichen Wodkaeinkauf, war man sich doch ob der idealen Geeignetheit des Kartoffelgeistes als Geschenk und Erinnerungshilfe einig. Nach einer Besteigung des Panzers, dessen Podest heute mit vielen Blumen geschmückt war, machte sich meine Gruppe auf zum Hafen, in dem schon lange Schiffe von der Ferne gelockt hatten. Wir passierten Jugendliche in Anzügen, und wie uns bald erklärt wurde, war heute der letzte Schultag, zu dem eben dieses Outfit gehörte. Gleich daneben der revolutionäre Seemannsnachwuchs und die viel weniger edle aber genauso wirkliche Hülle der Häuser. Unterwegs versorgten wir uns in einem Hol-Fix-Derivat mit Tütenjoghurt und Mohnzopf, wobei die Bewältigung dieser Nahrungsmittel uns teilweise überforderte, was unsere Stadtführer jedoch mit der uns fast schon peinlichen russischen Geduldigkeit ertrugen und uns sogar mit Rat und Taschentuch zur Seite standen. Auf der Brücke vor dem Hafen dann noch eine geballte Ladung Abi-Stolz, diesmal mit roten Schärpen, die sich leuchtend von dem Grau der Betonbrücke abhoben. Im Hafen passierten wir ein mit interessanten Soldaten besetztes Patrouillenboot und besichtigten dann ein gerade außer Dienst gestelltes, dieselgetriebenes U-Boot, in dem sich ein Englisch sprechender ehemaliger Matrose unserer Gruppe zur Verfügung stellte und in Eiltempo durch die stählerne Röhre führte. Viel Zeit ließ er sich allerdings bei der Beschreibung der gesamten russischen U-Boot Flotte und besonders beim Hinweis darauf, daß das größte U-Boot – natürlich – von Rußland gebaut sei. Am Ende entlohnten wir ihn, was er mit einem kurzen Nicken geschehen ließ, um durch das Schiff seiner nächsten Gruppe zuzueilen. Wir verbrachten noch einige Minuten vor einer Schautafel über das Unglück der Kursk, immerhin war das ja eines der größten Schiffe gewesen, mit zwei Pools an Bord.

 

Nach einem Proviant- und Wodkaeinkauf, bei dem mir wieder aufgefallen ist, wie stark der Westen hier – zumindest in den Regalen – schon präsent ist, machten wir uns auf den letzten Gang zum Treffpunkt Panzer. Unterwegs die grauen Wohnblocks, zu deren Füßen sich aber scheinbar unbeeindruckt ein buntes Leben abspielt. Diesmal fuhren wir mit dem öffentlichen Bus zum Bahnhof, wo ich im Postamt endlich zwei Postkarten erstand, und es lag nicht an meinen mangelnden Russischkenntnissen, daß ich den Preis – 20 Kopeken – nicht verstand. Wir verabschiedeten uns von der Stadt mit all ihren Kontrasten, die erst noch im Kopf sortiert werden müssen, um letztlich sagen zu können, was für ein Bild Kaliningrad hinterlassen hat. Einstimmig überwältigt waren wir jedenfalls von der Gastfreundschaft unserer russischen Freunde, die uns so lange nachwinkten, bis unsere Blicke von einer Rechtskurve des Zuges auseinandergerissen wurden.