Vom neuen Umgang mit dem Leben


Das Leben ist wunderbar und gräßlich zugleich - die Reinkarnation
der Erinnerung materialisiert die Vergangenheit als Ergebnis der Gegenwart.
Der Augenblick als Zweck des Ganzen in seiner Unzerstörbarkeit bestimmt, ob
Dasein oder Leben. Leben und Untergang oder Dasein und ewige Konstanz,
jegliche Bewegung erstickend, Sinne raubend, Recht negierend.

Das Leben an sich ist unfaßbar; es gleitet durch die Höhen der Gedanken und
findet sich wieder in den Tiefen des Genusses.
Der bewußte Verzicht auf die unerreichbare Tugend, als Befreiung von zersetzenden
Zielen und Leuchtturm im Meer der Möglichkeiten,
macht uns zu vergessenden Wesen.
In dem augenblicklichen Sein sich wiegend, zurückfindend zu den natürlichen
Ursprüngen des Menschen, wird dieser in seinem Denken und Tun von jeglichen
Grenzen befreit.

Das Leben wird zum Tod, so man diesen nicht freudig erwartet.
Nur der Tod ist Ende und Anfang zugleich im Geben von Antrieb für den Augenblick.
Die Rotation des Nichts um die Mitte des Seins stellt Erlösung
beim Ausbruch in Aussicht. Der Verzicht auf krampfhaftes Verharren in der
Existenz führt zu geweitetem Leben. Die erlösende Kraft zum Mehr öffnet den
Horizont in den hoffnungsvollen Abgrund. Der Punkt erwächst zur Weite des
Unendlichen - Unerschöpfbarkeit.

Der Tod ist sanft, so man sich nicht wehrt. Sich geben oder verweigern - er ist
unerbittlich und nimmt. Konspiration gibt Leben. Die letzte Sekunde wird
zur Freude. Je dunkler der Tod, desto heller das Leben. Die Leere
des schwarzen Nichts erfüllt den Raum des Lebens und verschlingt den
pulsierenden Moment.
Die Materie erlischt und erwacht zu neuem Dasein.

Vive la mort -