Nachdem ich entdeckt habe, dass es einen Direktflug von Durham nach London gibt, habe ich mich entschlossen, meinen alten Freund Samy dort zu besuchen... Es ist lange her, dass ich dort war (siehe Reisebericht "England"), so war es mal wieder an der Zeit. Die Wettervorhersage war nicht besonders: 7 Tage Regen. Aber so schlimm sollte es dann doch nicht werden.. Nach einer schlaflosen Nacht im Flugzeug landete ich in London Gatwick. Von dort brachte mich ein Zug fuer 12 Pfund (24 Dollar) zur Viktoria-Station. Von Viktoria ging es per "Tube" (U-Bahn) zur Liverpool Station, von wo es nur ein paar Schritte sind zur Zentrale der Deutschen Bank.

Liverpool Station zur Rush-Hour

Im Londoner Bankenviertel geht es sehr geschaeftig zu... und wehe man troedelt an den Eingangsschranken zur U-Bahn

Am naechsten Morgen setzte ich mich mit meinem Kaffee und einem Kuchen aus dem Supermarkt auf ein Denkmal vor die alte Boerse im Bankenviertel...

...und betrachtete das bunte Treiben. Es hat eine Weile gedauert, bis ich abschalten koennte, mich also nicht dauernd dazu gezwungen fuehlte, auch in die Hektik der Beanzugten zu fallen. 

In London faehrt uebrigens fast jeder mit den oeffentlichen Verkehrsmitteln, seit der sozialistische Buergermeister tagsueber eine Gebuehr von 5 Pfund pro Auto eingefuehrt hat. Das entlastet die Strassen, macht aber die U-Bahn dafuer zu einer rollenden Sardinenbuechse.

Der Buergermeister der Londoner City (des kleinen Finanzdistrikts) allerdings nimmt dann doch lieber den schwarzen Rolls Royce...

Von der City wanderte ich ueber den Fluss - die Tower Bridge und ein Stueck des Towers...

Der Blick vom Suedufer auf die Hochhaeuser der City. Besonders schick der neue Tower der Swiss Re (Schweizer Rueckversicherung)

Ich habe einen Faible fuer Schiffe, und so freute ich mich auf den Besuch der HMS Belfast. Eine Innenveranstaltung war auch angebracht angesichts des arg grauen Himmels.

Das Schiff ist riesig und man kann wirklich fast alles betrachten und anfassen. Von den grossen Turbinen, den Kanonen und Waschraeumen bis hin zum Stuhl (dem zum Sitzen *gr*) des Kapitains. Und hier das Magazin mit Granaten tief im Inneren des Schiffs, geschuetzt hinter extra dicken Stahlwaenden. Das alles allerdings mit trueber Geschichte - ein ganzer Raum war einer Schlacht gewidment, in der das Schiff ein deutsches Kriegsschiff mit versenkt hat - inklusive 1800 jungen deutschen Soldaten.

Im Funkraum bewegte sich ploetzlich eine "Puppe". Es war ein Veteran, der hier einmal die Woche hobbyfunkt. Wir kamen ins Gespraech und betrieben Geschichtsaufarbeitung. Und am Ende schenkte Bill mir ein Foto vom Schiff mit Widmung - und mit seiner Funkadresse, damit er Anrufe aus Deutschland bekommt :)

Wenn die Fuesse muede sind, kann man auch gut in den roten Doppeldeckerbussen voran kommen. Wenn man Glueck hat, erwischt man sogar einen Platz ganz vorn. Es gibt nur noch wenige der alten Busse mit Fahrkartenmann, die modernen sind aber auch schoen. Und warm :). Fahrkarten kauft man jetzt vorher, zum Beispiel eine Tageskarte fuer 5.30 Pfund. 

Musste ich mich kurz vorher noch durch die Masse der grauen Maenner draengeln (die Banker, oft mit schreiend pinken Krawatten), so ist es um den Trafalgar Square die Menge der Touristen. Hier die beruehmte Kirche St. Martin in the Fields in - Halleluja! Sonnenschein.

Und ich kam gerade recht zur Raubtierfuetterung. Ein staedtischer Angestellter streut Futter fuer die Tauben, was natuerlich ein riesiges Spektakel wird... 

...fuer die Bauarbeiter an der National Gallery. Sobald sich die Tauben niedergelassen hatten, machten die Maenner Laerm und freuten sich, wie die aufstuermenden "Ratten mit Fluegeln" die Touristen erschreckten. Einer Gruppe junger Touristen (und mir) bereitete das aber eher Freude als Schrecken (s.o.).

Das beruehmte Denkmal fuer Nelson. Beliebter Rastplatz und Hintergrund fuer Fotos. Im Vordergrund ein typisches Londoner Taxi.

Von Trafalgar Square aus fuehrt die Whitehall vorbei an allerlei wichtigen Gebauden, auch der Downing Street #10, dem Sitz des Premierministers. Allerdings verbarrikadiert von Polizisten.

Gleich daneben koenigliche Gebaeude - bewacht von alt aussehenden jungen Wachen. Erinnerte mich an Kopenhagen... 

Wo neue und alte Geschichte sich treffen... seit einigen Tagen haelt die Diskussion um Wahlbetrug in der Ukraine die Welt in Atem - und ukrainische Oppositionelle mit Orange als Erkennungsfarbe demonstrierten auch hier in London...

...Sieht aehnlich aus, ist aber fast noch trauriger. Schildertraeger wie diese sind ueblich in London, sei es fuer Essen, einen Golfschlaegerausverkauf oder dubiose Videolaeden. Und das alles bei mehr Regen als Sonne...

Wenn aber die Sonne mal rauskommt, dann glaenzt gleich alles viel schoener. Hier Big Ben am Parlamentsgebaeude.

Zum Vergleich ohne Sonne. Das Riesenrad rechts heisst "London Eye" und wird von der Fluggesellschaft British Airways betrieben. Sehr beliebt bei Touristen. Ich habe mir das Geld und lange Warten lieber gespart...

...und bin ins Aquarium nebenan gegangen. Es nimmt viel Platz in Anspruch, ist aber nicht besonders beeindruckend :*(

Das Parlament in der kuenstlichen Abendsonne vom anderen Ufer.

Der Piccadilly Circus mit seiner beruehmten Statue, die oft als Eros interpretiert wird, aber eigentlich den Engel der christlichen Wohltaetigkeit darstellen soll (sagt mein Reisefuehrer). Die vielen jungen Leute, die am Denkmal "rumhaengen" interessiert das weniger... sie bereiten sich darauf vor, die Strasse zu ueberqueren und in das "Rotlichtviertel" Soho einzutauchen.

Gleich danaben der Leicester Square mit Theatern und Kinos - hier kamen wohl gerade irgendwelche movie-stars an.

Ich habe bei meinem Freund Samy im Stadteil Canary Wharf gewohnt. Und so sah das Zentrum von Canary Wharf aus, als ich abends von meinen langen Wanderungen heimkehrte.

Am Morgen bietet sich aus dem Fenster ein Blick auf den Millenium Dome, eine riesige Halle mit wunderlichen Masten aus dem Dach... ein geldschluckendes Prestigeobjekt, wie es sie in so vielen Staedten gibt. Zur Zeit bewirbt sich London fuer die olympischen Spiele 2012, und ueberall haengen Plakate mit "Back the Bid", die Bewohner dazu auffordern, die Bewerbung zu unterstuetzen.

Die meisten Menschen in London sind aber ohnehin Touristen, so scheint es zumindest. Und fuer die gibt es kleine Hilfen fuer das Ueberqueren der Strassen. Immerhin ist in Britain alles andersrum; zumindest bezueglich des Strassenverkehrs. Und die ersten Stunden als Tourist sind da besonders gefaehrlich.

Am besten man bewegt sich per sicherem Bus. Hier auf der Oxford Street, der Shoppingmeile.

Was immer man tut - es wird irgendwo aufgezeichnet. London ist die Stadt der Kameras (oder Spanner?-). Jede U-Bahn Station, jedes Museum, und sogar Toiletten werden per CCTV (closed circuit television) ueberwacht.

Auch ein anderer Amerikanismus greift ueber: Rauchen wird zunehmend negativ gesehen. In manchen Restaurants ist es verboten, andere signalisieren eine noch liberale Einstellung.

Vielleicht hilft das auch dem englischen Fussball... Hier ein paar unverwuestliche Fussballer im Hyde Park.

Nicht am Rauchen gestorben: Lady Di. Hier ihr neues Denkmal im Hyde Park; von der Queen eingeweiht und wegen architektonischer Patzer zur Zeit schon wieder in Ueberarbeitung

Gleich daneben die Royal Albert Hall...

...Und das Science Museum. Ein riesiges Gebaude mit vielen Interessanten Exponaten aus Wissenschaft und Technik. So riesig, dass sich die meisten Leute nur ein paar Perlen raussuchten (wie hier die allererste Eisenbahn) und andere Raeume wie ausgestorben schienen.

Am Sonntag machte ich mich auf zur St. Paul's Cathedral. Die Woche ueber kostet das happigen Eintritt, am Sonntag aber darf man noch umsonst in den Gottesdienst. Der war ganz nett, besonders schoen aber war das abendliche Adventssingen (es war der 1. Advent). Die Kirche war fast ganz dunkel, voller Menschen, und der Chor sang wunderbare mittelalterliche Weihnachtsmusik.

Ein letzter kleiner Ausflug fuehrte mich nach Greenwich. Dort befand sich fuer lange Zeit eine Marineschule, die jetzt unter anderem das Marinemuseum beherbergt. Im Hintergrund Canary Wharf.

Ein kleines technisches Wunderwerk ist der Tunnel unter einem Thames-Arm. In den Fahrstuehlen an beiden Enden ist es richtig gemuetlich; sonst wohl arbeitslose Maenner druecken die Knoepfe, ein kleiner Heizluefter laeuft, ein Kofferradio, und unter Einheimischen wird auch mal kurz ueber das letzte Fussballspiel gefachsimpelt.

Beruehmt ist Greenwich aber natuerlich fuer das koenigliche Observatorium. Der rote Ball auf der Spitze wird taeglich um 1 fallen gelassen, um den Schiffen die Zeit anzuzeigen.

Das ist wichtig, damit die Kapitaene auf ihrer Seereise die Zeit haben und bestimmen koennen, wie weit sie weg sind vom Anfang aller Dinge: dem Null-Meridian.

Ein andere Blick auf Canary Wharf. Die Feuerwehr bekommt regelmaessig Anrufe, weil einer der Tuerme zu brennen scheint - aber es ist nur die Klimaanlage, die ab und zu grosse Dampfschwaden ueber der Spitze verursacht. 

Ich war mit einem grossen Koffer angereist - immerhin stand der Besuch in einem Londoner Gentlemens' Club auf dem Plan. Samy schleusste mich dort ein, und es war das perfekte Ambiente, um einen Portwein und eine Partagas #4 zu geniessen. Und Abschied von London zu nehmen.
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