Was ist der Mensch, daß Du seiner gedenkst?
(Februar 94)



Der Mensch wird nutzlos. Er wird ersetzbar. Er ist unvollkommen. Er läuft Gefahr, seine Daseinsberechtigung zu verlieren. Die Maschinen sind stärker. Sie sind schneller. Sie sind präziser. Aber sie sind keine Menschen.
Der Unterschied? - Er scheint zu verschwinden.

Vor langer Zeit arbeitete der Mensch wie ein Tier, um seine Existenz zu sichern, nicht der auslesenden Natur zum Opfer zu fallen. Er hatte die Gabe zu denken und sich so langsam über die Unwirtlichkeit seiner Umwelt zu erheben.

Er hatte es halbwegs geschafft, hatte zu Essen, eine Wohnung, und war trotzdem nicht zufrieden. "Jetzt erhebe ich mich erst richtig über die Natur, indem ich mir das Recht auf den Überfluß nehme." Und er baute Flugzeuge, Fernseher und Computer.
Nun gut.

Jetzt hat er sich selbst überflüssig gemacht, indem er sich ersetzte, durch Technik. Überflüssig? Er hat sich befreit vom äußeren Zwang des Erschaffens, hätte es eigentlich gar nicht nötig, immer weiter zu streben. Aber er ist ein Mensch und als solcher vom inneren Zwang besessen, eben doch noch mehr zu wollen. Dagegen läßt sich nichts sagen, zumindest nichts machen, es ist menschlich.

Menschlich ist aber auch der Geist, Empfindungen und Menschlichkeit, scheinbar von der Rudimentation befallen. Gerade jetzt, wo wir uns von so viel materieller Arbeit entledigt haben, sollten wir die gewonnene Zeit nicht verlieren, um neue Wege zu erarbeiten, noch mehr freie Zeit zu erlangen, sondern sie erfüllen in der Besinnung auf diese zweite Seite des Menschen, die uns tatsächlich zur Krone der Schöpfung machen könnte.

Geist als Möglichkeit der Auseinandersetzung mit sich und seiner Rolle im Ganzen, der Abstrahierung und des Ausdrucks seiner selbst. Empfinden durch Erforschen der eigenen emotionalen Möglichkeiten, des Selbstzugeständnisses von Unvollkommenheit und Beeinflußbarkeit, durch Mut zum Sein.
Und Menschlichkeit als Schwerstes: dies alles auch den anderen zuzugestehen.